Asphalt Festival 2013: Kurpackung gegen Sommerlöcher

Christof Seeger-Zurmühlen (links) und Bojan Vuletic

2012 rief Christof Seeger-Zurmühlen gemeinsam mit dem Musiker und Komponisten Bojan Vuletic das „Asphalt Festival“ ins Leben. Vom 2. bis zum 11. August bringt er auch mit der zweiten Ausgabe kulturelle Preziosen in das urlaubsreife Düsseldorf. Regina Matthes sprach mit dem Regisseur, Schauspieler und Festival-Geschäftsführer.

Herr Seeger-Zurmühlen, wann haben Sie mit der Organisation des diesjährigen Festivals begonnen?

Es ist verrückt, denn die Planung für das Festival 2013 war schon fast abgeschlossen, bevor wir 2012 überhaupt durchgeführt hatten. Doch Anträge für Projekte dieser Art müssen häufig mindestens ein Jahr im Voraus gestellt werden. Insofern war nach dem Festival vor dem Festival.

Sie führen beim Festival unter anderem Regie bei „Rrr.käppchen“, einer Produktion des Theaterkollektivs „per.Vers.“. Stehen Sie auch auf der Bühne?

Ein Stück und das Festival zu inszenieren, ist schon Mammutaufgabe genug. Am Ende wäre ich wahrscheinlich viel zu aufgeregt, in solch einem Kontext selbst zu spielen. Nein, ehrlich, ich bin Freund von der Idee, den vollen Fokus auf ein Projekt zu richten. Ich stehe dann im Oktober beim düsseldorf festival! wieder auf der Bühne, mit unserem Stück „Ritter-Rabe-Ballade“.

Wie sieht Ihr Job als Festival-Organisator aus?

Bojan Vuletic und ich sind beide Kunstschaffende, wir gestalten das Festival von innen heraus, kümmern uns um Inhalte, Themen und Visionen. Wenn wir von einem Projekt überzeugt sind, beißen wir uns fest und versuchen, es mit aller Kraft umzusetzen. Ich war mal Ringer, das prägt. Und Bojan ist der kompetenteste Partner, den man sich wünschen kann. Das Festival ist sowohl Traumberuf als auch abartiger Knochenjob in einem. Und unser Glück ist unser Team. Wir sind nur wenige, doch die sind fantastisch.

Wie finanziert sich das Festival?

Durch öffentliche Gelder von Stadt und Land, aus Mitteln von Stiftungen, durch Sponsoren und private Geldgeber. Und natürlich durch den Verkauf von Eintrittskarten.

Unter Stefan Fischer-Fels, mittlerweile Chef des Berliner GRIPS Theaters, waren Sie im Ensemble am Jungen Schauspielhaus. Nun gibt es in Düsseldorf mit „Frau Müller muss weg“ ein GRIPS-Gastspiel in der Regie von Sönke Wortmann zu sehen. Was bedeutet Fischer-Fels für Sie?

Stefan ist ein großartiger Theater-Möglichmacher und ein exzellenter Streiter für die Sache. Er hat es über acht Jahre hinweg geschafft, sehr viele Menschen ins Theater zu locken und zu begeistern. Aber es geht bei unserem Festival nicht um persönliche Belange, sondern um Inhalte. Dass wir „Frau Müller muss weg“ zeigen, liegt einzig an der außerordentlichen Qualität des Stückes, der Inszenierung, den Spielenden und an der Tatsache, dass Sönke Wortmann Düsseldorfer ist. Alle unsere Festivalbeiträge haben etwas mit der Stadt oder unserem Festival-Thema zu tun.

Wie spiegelt sich das diesjährige Motto „Stadt – Rand – Fluss“ im Programm?

In jedem Beitrag findet sich mindestens ein Bezug. „Stadt“ meint Themen, Orte, Unorte und Menschen von hier. Wo ist der Rand unserer Stadt, unserer Gesellschaft, unseres Denk-Raumes? Der Rand bezieht sich auch auf Grenzen, und auf der Grenze entsteht bekanntlich Kontakt. Fluss meint die Zeit, die fließt – Düsseldorf im Jahr 2013 – aber natürlich auch die Namensgeberin der Stadt: die Düssel.

Sie bieten an zehn Tagen 25 Veranstaltungen mit zwölf unterschiedlichen Programmpunkten. Ihr persönliches Highlight?

Ich freue mich wahnsinnig auf den Eröffnungsabend mit der französischen Band Zoufris Maracas, den zeitgenössischen Tanzstücken von vier Choreografinnen in verschiedenen Räumen des Weltkunstzimmers und natürlich auf die Videoinstallation von Danica Dakić. Das Festival ist wie zehn Tage Geburtstag mit zwölf Mal Bescherung.

Wie wählen Sie Teilnehmer aus?

Unser Festival ist sowohl Plattform für Koproduktionen als auch für Gastspiele. Allein dieses Jahr fördern wir vier Beiträge. Wir sind schon im Gespräch mit Künstlern für nächstes und übernächstes Jahr, uns erreichen sehr viele Bewerbungen, die wir alle sichten.

Wie sähe für Sie der ideale Festivalverlauf aus?

Ich glaube, die Namen der Künstler und Beiträge sprechen für sich. Wenn ich allein an Omer Klein denke: Seine Musik ist zum Niederknien. Das Besondere unseres Festivals sind jedoch auch die Spielorte. Im besten Fall sucht sich das Thema den Raum. Ich wünsche mir von Herzen, dass diese Räume gesehen und besucht werden. Jeder ist willkommen. Wir bieten Tanztheater für Kinder, klassische Theaterstoffe und den verträumtesten Biergarten von ganz Düsseldorf. Das alles ist jedoch vergänglich. Zehn Tage Rausch – dann kommt der Kater …

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