Ein großer Optimist: RuhrHOCHdeutsch-Macher Horst Hanke-Lindemann

Noch hat Horst Hanke-Lindemann Ruhe in „seinem“Spiegelzelt. Wenn RuhrHOCHdeutsch losgeht, werden meistens wieder alle Plätze besetzt sein. | Foto: Irmine Estermann

Das Spiegelzelt an den Westfalenhallen verrät es: RuhrHOCHdeutsch ist wieder da. Irmine Estermann hat mit dem Macher Horst Hanke-Lindemann über die Zukunft des Festivals gesprochen.

Warum ist RuhrHOCHdeutsch RuhrHOCHdeutsch?

Das hat einfach was mit der Kulturhauptstadt 2010 zu tun. Wir hatten damals überlegt, was man machen kann, um das Ruhrgebiet von seiner besten Seite zu zeigen – die Geschichten, die Sprache, das Beste was Dortmund zu erzählen hat. Wir wollten den Leuten zeigen, dass hier mehr passiert als nur die „blöden Ruhris in ihrer Malocherstadt“. Es gibt ein Wahnsinnspotenzial bei den Künstlern im Ruhrgebiet. Und wir haben mit dem Konzept den Nabel getroffen. Lecker essen, klönen – das kann der Ruhri am besten. Mittlerweile ist RuhrHOCHdeutsch ein großes deutschlandweit bekanntes Festival. Wir können so auch das Bewusstsein schärfen, dass die Leute stolz sein können, hier zu wohnen.

Wie setzt sich der Spielplan grundsätzlich zusammen?

Es gibt einen festen Stamm und drum herum experimentieren wir. Die Qualität ist der Grund dafür, warum das Festival so lange Bestand hat. Am Anfang mussten wir Newcomer von außerhalb überzeugen, bei uns aufzutreten. Die Mixed-Shows bieten sich da an, genauso wie der Montag mit Currywurst, Pommes und Bier.

Werden alte Kabarettisten gerade von jungen Comedians abgelöst?

Es gibt keine Nation, die das Kabarett so pflegt wie die Deutschen. Was früher der Eulenspiegel am Hofe war, ist heute der Kabarettist. Ich habe es schon selbst erlebt, dass es bei einer Veranstaltung wütende Zwischenrufe von Mittelständlern gab, die dann auch den Raum verlassen haben. Mir gefällt‘s, dass Kabarett sowas noch auslösen kann. Der Mediale Fokus hat sich allerdings geändert. Vor allem im Fernsehen will man immer Jüngere haben. Wir kriegen aber bei den Zuschauern den Nachwuchs nicht, nur weil wir Nachwuchs spielen lassen. Es muss eine kontinuierliche Mischung geben. Ich sage nicht, dass die Verjüngung nicht passieren sollte. Aber Kultur muss sich entwickeln können, das geht nicht mit einem Beschluss. Die guten Jungen entwickeln sich weiter, aber die meisten sieht man nie wieder. Das wird nicht mehr lange gutgehen, glaube ich.

Was ist mit den jungen Frauen in der Szene?

Einige sind gerade unterwegs und füllen Häuser. Schuld daran ist vor allem Gerburg Jahnke, die in ihrer Show viele Frauen entdeckt hat und ihnen unabhängig von Veranstaltern eine Plattform gegeben hat. Es ist gut, dass man nicht immer nur eine tiefe Stimme hört auf der Bühne. In den 80er und 90er Jahren wurde Frauencomedy mit Frauenthemen gleichgesetzt. Das wollten Männer nicht. Jetzt sind die Programme Rundumschläge, das belebt das Kabarett.

Die Stadt Dortmund will RuhrHOCHdeutsch die Subventionen streichen. Das wären 120 000 Euro weniger. Ist das Festival dann noch machbar?

Ich bin Optimist. Es hat schon immer zu wenig Geld für Veranstaltungen gegeben. Das ist gerade ein politisches Scharmützel, bei dem gesagt wird, Kabarett muss sich selbst finanzieren. Wir müssten dann allerdings auf unser Spiegelzelt verzichten und in eine Halle ziehen. Und auch dann können wir nicht so viel einsparen, dass wir auf die Subventionen komplett verzichten können. Wenn es das Festival nicht mehr gibt, muss dann allerdings was Neues her, um die Lücke zu füllen. Und auch das kostet wieder Geld. Ich gebe also RuhrHOCHdeutsch noch eine lange Geschichte.

Mehr zum Thema:

RuhrHOCHdeutsch: Von Appelt bis Zinsheim

Mit RuhrHOCHdeutsch steht Deutschlands größtes Kabarett-Festival wieder in den Startlöchern. Der Vorverkauf für die mehr als 130 Künstler aus Dortmund, dem Ruhrgebiet und ganz Deutschland startet am 4. Februar. [mehr...]


Aber bitte mit Käse: Interview mit Lena Liebkind

Lena Liebkind liebt ihren Job. Ihr bürgerliches Leben hat sie dafür 2014 aufgegeben. Ihr erstes Solo-Programm heißt „Auf die harte Tour“. Mit Irmine Estermann sprach sie über Paradigmenwechsel in der Comedy und über Teig. [mehr...]