Welcome to the Machine: machina eX zeigt Tracing Tales

Spannendes Experiment: Tracing Tales | Foto: Christian Kleiner

Längst geben wir unseren Alltag ab. In die Hände von Smartphones und -watches. Wir vertrauen individualisierten Fitness-Apps oder sonstigen Selbstoptimierungs-Helfern. Aufgezeichnet wird dabei alles. Das Medientheaterkollektiv machina eX treibt das Ganze nun auf die Spitze. In ihrem Stück „Tracing Tales“ wacht eine künstliche Intelligenz über die Zuschauer.

„Tracing Tales handelt vom Leben in einem fiktionalen Wohn- und Arbeitskomplex namens Con.Vent, irgendwann in einer nicht allzu fernen Zukunft“, erzählt Mathias Prinz von machina eX. Auf freiwilliger Basis lassen sich die Zuschauer alias Con.Vent-Bewohner von einer künstlichen Intelligenz durchchecken. Vier Personen können beim rund 50-minütigen Stück mitmachen. Alle werden in einen eigenen Raum geführt. Dort folgen die Zuschauer, die stetig ins Geschehen involviert sind, via Anweisungen einem speziellen Tagesablauf. Diesen gilt es einzuhalten. „Auf dem Weg durch den Tagesablauf ergeben sich immer wieder kleine Ziele und zwischenzeitliche Erfolge oder Misserfolge“, so Prinz. Die Aufgaben können sportlicher Natur sein, Denkaufgaben sind aber genauso möglich.

Frage nach der Freiheit

Das Thema der digitalen Datenaufzeichnung, des Durchleuchtens und der durchgetakteten Tage via Gerät war für machina eX ein logisches: „Selbstoptimierung, insbesondere im Kontext von BIG DATA, ist ein Thema unserer Zeit. Wir radikalisieren den Ist-Zustand von ‚Quantified Self‘: Was wäre, wenn unsere technischen Möglichkeiten, unsere eigenen Leben zu beobachten und in Zahlen als Daten zu sammeln, noch viel vollständiger wären, als sie es jetzt sind? Was wäre, wenn die Algorithmen, die diese Daten verwerten, tatsächlich soweit fortgeschritten wären, dass sie uns besser kennen, als wir uns selbst zu kennen im Stande sind?“ Freier gedacht wirft das Thema schnell die Frage nach der eigenen Freiheit auf. Wie frei ist man, wenn man alle möglichenBelange des täglichen Lebens abgibt? Sie in eine Ordnung zwängt, die vielleicht gar nicht die eigene ist? Und wie könnte eine selbstgewählte, individuelle Freiheit überhaupt aussehen? Ob „Tracing Tales“ darauf Antworten findet sollte ausprobiert werden! Wärmste Empfehlung, ganz ohne vorheriges Googlen! Ehrenwort! dini

Tracing Tales
12.-15.+18.-20.+22.7., jew. 18, 19, 20+21 Uhr
16.7., 17, 18, 19 und 20 Uhr
FFT Kammerspiele, Düsseldorf