Cornelia Schleime: Inspiration Beagle

Cornelia Schleime, aus der Serie „See you“ | Foto: Bernd Borchardt

Die Biografie von Cornelia Schleime kommt – verglichen mit anderen Künstlern – auf den ersten Blick erstaunlich wenig zielstrebig daher. In der DDR absolvierte sie zunächst eine Friseurlehre, später studierte sie Maskenbildnerei und verdiente ihr Geld als Pferdepflegerin. Künstlerin ist sie letztendlich doch geworden. Und was für eine!

Erst einmal aber musste sie die DDR hinter sich lassen. Dort galt ihre Kunst vielen als suspekt. Schleime war Mitglied einer Punkband, organisierte eigene Ausstellungen (was man ohne Genehmigung der Akademie eigentlich nicht durfte). „Meine Frauenbilder waren in einer Sprache, wie sie nicht sein sollten“, sagte sie mal in einem Interview. Ihre Performances wurden als „Müllkunst“ verspottet. Für die Künstlerin gab es nur eine Lösung: raus aus dem Arbeiter- und Bauernstaat. Sie stellte fünf Ausreiseanträge, der letzte hatte 1984 Erfolg. Innerhalb von 24 Stunden musste sie die DDR verlassen. Ihre Werke wollte sie nachholen. Als sie aber nur einen Tag nach der Ausreise zu ihrer Ost-Berliner Wohnung zurückkehrte, fand sie diese aufgebrochen vor. Die rund 1000 Arbeiten von ihr waren verschwunden und tauchten nie wieder auf. Schleime ließ sich dadurch nicht entmutigen, natürlich machte sie weiter.

Möse oder Blume?

C. Schleime, aus „See you“ | Foto: Bernd Borchardt

Die Ergebnisse ihrer Arbeit sind derzeit im Venloer Museum van Bommel van Dam zu sehen. Unter dem Titel „Ich zeige nicht alles“ präsentiert das Haus Schleime-Arbeiten auf Papier. Expressiv, ja, fast surrealistisch kommen die Zeichnungen der Serien „Animation“, „Camouflage“, „Mutationen“, „Köpfe“ und „See you“ daher. Die Mutationsbilder seien dabei, so die Künstlerin, ganz nah bei ihr. „Egal, ob ein Künstler eine Linie malt oder eine Kartoffel, es ist immer eine Form von Selbstporträt, weil Energien von einem da drin sind.“ Ihre Themen änderten sich dabei mit dem eigenen Leben. Über die Papstbilder verarbeitete sie den Tod ihres Vaters. Und als ihr Beagle ein Beutetier anschleppte, inspirierte sie das zu einer Serie mit Meute- und Jagdszenen. Nicht zuletzt ist auch weibliche Sexualität bei Cornelia Schleime immer wieder ein Thema. Diese Bilder sehe sie allerdings nicht als Provokation, so Schleime ausdrücklich „Wenn ich eine Möse zeichne, denke ich nicht an Sex, vielleicht eher an eine Blume.“