Rotlicht: Tanz in der Kirche

Tanz mit dem Video | Foto: Georg Schreiber

Ein Stück mit dem Titel „Rotlicht“ in einer Kirche – das klingt verdammt nach Skandal. Ist aber im Fall der Tänzerin, Choreographin und langjährigen künstlerischen Leiterin des Folkwang Tanzstudios Henrietta Horn komplett falsch. Der Untertitel macht klar, dass es hier nicht um das gleichnamige Milieu geht: „Achtung, Aufnahme!“ Aha, irgendwas mit Film- und Ton-Studio hat das Tanztheaterstück in der Reinoldi-Kirche also zu tun.

Genaugenommen handelt es sich bei „Rotlicht“ auch gar nicht um eine feststehende Choreographie, sondern um eine improvisierte Performance. Die Komponistin Dorothée Hahne lässt aus den elektronisch verstärkten Raumgeräuschen live den Soundtrack entstehen, den die Tänzerin Henrietta Horn direkt in Bewegung umsetzt. Eine weitere Ebene entsteht durch die Videos, in denen Reinhard Hubert zeitversetzt die Improvisation spiegelt und einen komplexen Kanon entstehen lässt. „Rotlicht“ ist aber mehr als eine geschickte Versuchsanordnung. Das Stück gliedert sich in sechs Szenen und ein Intermezzo und setzt in jedem Teil einen anderen Fokus auf das Zusammenspiel von Improvisation und aufgenommenem Material.