HORST-Festival: Die Ehrenamtler

HORST begeistert | Foto: Luisa Sole / Lulugraphie

Von dem Gefühl, ein HORST zu sein

Vom 11. bis zum 13. Juli verwandelt sich der unscheinbare Platz der Republik hinter dem Mönchengladbacher Hauptbahnhof wieder in den Schauplatz des HORST Festivals. Dass wir alle in den Genuss dieses Wochenendes voller guter Musik kommen dürfen, ist der harten Arbeit des Teams um Gründer Oliver Leonards zu verdanken, das sich das ganze Jahr über voller Hingabe der Organisation des Events widmet. Im Sommer 2009 als „Umsonst & Draußen“ gestartet, findet die Veranstaltung nun schon zum sechsten Mal statt und ist als feste kulturelle Größe aus der beschaulichen Stadt am Niederrhein gar nicht mehr wegzudenken. Jahr für Jahr wuchs der Ansturm an Besuchern, die Bandnamen auf den Plakaten wurden immer bekannter und damit vergrößerte sich natürlich auch der organisatorische Aufwand. Um die gestiegenen Anforderungen und die Sicherheitsauflagen kompensieren zu können, wurde 2011 das „umsonst“ aus dem Namen gestrichen, was in der Fangemeinde nicht überall auf Gegenliebe stieß. Dabei ist HORST immer noch ein gemeinnütziger Verein geblieben, der keine wirtschaftlichen Interessen verfolgt, sondern es sich zur Aufgabe gemacht hat, die lokale und regionale Musik- und Kulturszene zu fördern. Neben dem Festival werden auch kleine Projekte und Ideen realisiert, die das Freizeitangebot der jungen Generation bereichern sollen. Dies geschieht unter anderem im Kulturzelt des HORST Festivals, wo kreative Köpfe aus Poesie, Kabarett und Comedy eine Plattform finden.

Ehrenamt? Ehrensache!

Um dieses Angebot aufrecht zu erhalten, setzt HORST auf ehrenamtliche Mitarbeit: Das Kernteam von 15 Leuten hat mittlerweile eine beachtliche Anzahl von knapp 500 Helfern um sich geschart. Unter ihnen ist auch Fabian Müller, der schon im dritten Jahr dabei ist: „Nach meinem politischen Ehrenamt, in dem es hauptsächlich um Lobbyismus und gute Kontakte ging, dachte ich, dass muss doch auch anders gehen. Ich möchte Menschen lachen sehen, sie zusammenbringen und eine Jugendkultur unterstützen, die Musik, Inhalt und Kunst zusammenbringt“, erklärt der 25-jährige Lichtdesigner. Das gesamte Jahr über widmet er einen großen Teil seiner Freizeit der technischen Planung des Festivals, die besonders in den letzten drei Monaten vor dem HORST-Termin sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Dann habe fast jeder seiner Tage 20 Arbeitsstunden – vormittags im Büro, abends beim HORST. Dass da eigene Interessen manchmal auf der Strecke bleiben, nimmt Müller gerne in Kauf.

Ehre, wem Ehre gebührt

Die Kraft für dieses zeit- und manchmal nervenaufreibende Ehrenamt ziehen Fabian und sein Kollege Nils Kolle aus dem Zwischenmenschlichen. Viele gute Freunde haben die beiden hier gefunden und Fabian sogar seine Herzensdame. Im Laufe der Jahre ist das Festival-Team eine zweite Familie geworden. Wie in jeder guten Familie geht es da naturgemäß auch mal hektisch und laut zu. Doch wenn die harte Arbeit des ganzen Jahres endlich Früchte trägt und alle Anspannung abfällt, ist der Stress und jeder Rückschlag zumindest für einen Moment vergessen. Dann hat sich die Großfamilie HORST wieder lieb. Für den Ordner Nils ist genau dieser Augenblick und der Stolz, die Veranstaltung mit auf die Beine gestellt zu haben, das Beste an seinem Ehrenamt. Dieses Glücksgefühl ist wahrscheinlich der schönste Lohn, den man für seine Arbeit erhalten kann. In der großen Riege der Festivals, wovon die meisten eher unpersönlich daherkommen, ist der Bursche aus Mönchengladbach etwas Besonderes, mit Herzblut und Persönlichkeit – und genau dafür wird er geliebt. „HORST ist immer da. Er ist der große Bruder, die kleine Schwester, der coole Onkel, die nervige Freundin. HORST ist nicht nur ein Festival, sondern eine Philosophie, ein Lebensgefühl, eine Überzeugung“, meint Fabian. Und die hervorragende Musik nicht zu vergessen: Dieses Jahr sind unter anderem Madsen, Jupiter Jones, Prinz Pi und Flo Mega als Headliner mit dabei. Bei diesem Aufgebot lässt sich der Eintrittspreis von 18,60 Euro wohl verschmerzen und lässt hoffentlich auch die letzten Kritiker verstummen.

 

horstfestival.de

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11.7. - 13.7. Mönchengladbach

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