Petites résistances: Ziviler Ungehorsam

Das Bild hätte dem Strand eines niederländischen Küstenortes perfekt zu Gesicht gestanden. Mitten in der Amsterdamer City sorgte es hingegen für Irritationen. Erstaunen. Belustigung. Vermutlich in einer Nacht-und-Nebel-Aktion hatte der Künstler Brad Downey im Jahr 2008 einige Pflastersteine aus dem Bürgersteig entfernt und auf dem frei gewordenen Fleckchen eine prächtige Sandburg errichtet. „Castle Beneath Cities“ nannte er sein Werk, das weit mehr war als nur ein kurzlebiger Witz.

Künstler wie Brad Downey sind politisch – ohne verbissen oder aggressiv zu sein. Ob sie nun Laternenmasten ein Jäckchen stricken, Verkehrsinseln bepflanzen oder pink gestrichene Bänke im Stadtraum verteilen – es geht ihnen dabei stets um Widerstand. Um Veränderung. Um die Rückeroberung des öffentlichen Raums, der beizeiten nur noch aus Konsumbotschaften und Überwachungskameras zu bestehen scheint. Zeit also für kleine Widerstände. Zeit für „Petites résistances“.

Die gleichnamige Ausstellung, bis zum 13.7. im Düsseldorfer WELTKUNSTZIMMER zu sehen, trägt den Untertitel „Rebellion in Kunstform“ und präsentiert 13 internationale Positionen, darunter schon genannter Downey, aber auch die Düsseldorferin Anne Mommertz ist vertreten und die großartige Klara Lidén aus Stockholm. In ihrem Video „Paralyzed“, das mittlerweile bereits zehn Jahre auf dem Buckel hat und ihr bekanntestes Werk sein dürfte, tanzt die Künstlerin exzessiv in einem vollen S-Bahn-Waggon – und wird von den meisten Anwesenden mit Ignoranz gestraft. Die Arbeit wurde mittlerweile vom Museum of Modern Art erworben.

Nicht zuletzt dieser Ankauf beweist, dass derlei Formate längst im institutionalisierten Kunstbetrieb angekommen sind. Die Düsseldorfer Schau möchte dem bewusst entgegen wirken und kündigt auch Interventionen im öffentlichen Raum an. Sollten also demnächst irgendwo die Pflastersteine fehlen, wissen Sie Bescheid.

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