Keine Geschichtsstunde: Nebenschauplätze Nr. 1

Geschichte wird gemacht | Foto: Hofmann&Lindholm

Der Mauerbau 1961, der Weltraumflug der Hündin Laika und das Attentat auf israelische Athleten bei den Olympischen Spielen in München 1972: Diese Ereignisse sind nur ein paar der Themen des Stücks „Nebenschauplätze Nr. 1: Das 20. Jahrhundert“. Im Rahmen der „Impulse Theater Biennale“ verarbeitet das Künstlerkollektiv Hofmann&Lindholm an drei Abenden im Juli jüngere Geschichte.

Wer jedoch erwartet, die offensichtlichen und hinlänglich bekannten Großereignisse zu sehen, wird nicht nur dank des Titels schnell erkennen: Die „Nebenschauplätze“ sind Programm. „Die eigentlich abseitigen Szenen“, so Lindholm, werden in einen Guckkasten auf der Bühne projiziert. In Filmausschnitten sieht das Publikum nicht den schon bekannten, weltraumfliegenden Hund, sondern Laika, die sich im Labor auf die große Reise vorbereitet. Hannah Hofmann und Sven Lindholm wollen das bislang Ungesehene sichtbar machen: „Wir holen die Schatten der Vergangenheit in die Gegenwart.“ Die Schatten sind hierbei wörtlich zu verstehen. Die Zuschauer sitzen nämlich nicht wie sonst im handelsüblich beleuchteten Theatersaal, sondern komplett im Dunklen. Nur spärlich fällt Licht ein.

Die Idee sieht vor, dass die Zuschauer jeweils einen Tag pro Ereignis erleben. Je nachdem wie die Sonne sich dreht, schweift der Blick auf einen Tisch, eine Person oder eine Bewegung. Zur Orientierung dienen Ordnungszahlen, Titel, Datum, Ort, Zeit und eine Bildunterschrift. Im Falle von Laika ist diese „Drama der Gegenwart oder: Treue Seele wartet auf bessere Zeiten“. Einerseits werden die Szenen untertitelt, andererseits soll das Stück die Phantasie anregen: „So entsteht eine Mischung aus Wirklichkeit und Bühne“, meint Hannah Hofmann.

Die Idee zu den „Nebenschauplätzen Nr.1“ kam Hofmann&Lindholm nach einem Workshop mit Studierenden an der Kunsthochschule für Medien in Köln. Auch dieser befasste sich mit dem Schattenspiel. Das Interesse war geweckt, die Geschichtswissenschaften bildeten einen weiteren Komplex. Dennoch wollen die „Nebenschauplätze“ keinen Geschichtsunterricht bieten. Zuletzt hat Hofmann noch einen Tipp für die Zuschauer: Gelassenheit sollten sie mitbringen. Und am besten keine Angst im Dunkeln.

27.6.–6.7. verschiedene Spielorte, NRW

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