heimatPOTTential: Herzensschmodder in allen Ecken

Liebe zum Detail | Foto: Michael Blatt

Der Klassiker, dass sich im Ruhrgebiet aufgrund des Ruß-Regens der Industrie-Schlote keine weiße Wäsche unter freiem Himmel aufhängen lässt, ist zwar weitgehend aus den Klischee-Köpfen gewichen, ansonsten bleibt das Bild der Region vielerorts weiterhin von „Grau in Grau“-Ansichten geprägt. Sowohl außerhalb als auch – durchaus überraschend – innerhalb des „Potts“.

„Viele Leute wissen gar nicht, was das Ruhrgebiet ihnen zu bieten hat“, stellt Juliane Helmke immer wieder fest. Die Essenerin trägt mit ihrem vor zwei Jahren gestarteten Blog „heimatPOTTential“ in Form zahlreicher Texte und Foto-Reportagen einiges dazu bei, dass sich am verzerrten Blick auf die Region endlich etwas ändert.

In Bottrop aufgewachsen, brach „Juli“ mit 19 zum Studium nach Stuttgart auf und kehrte zwölf Jahre später zurück ins Revier. „Ich erlebe die Leute hier als zugänglicher als anderswo“, so ihre Wahrnehmung in Sachen Menschenschlag, die sich jüngst beim Ausflug zum Bismarckturm und den Ruhrauen in Mülheim-Saarn einmal mehr bestätigte. Während die Bloggerin gerade eine Schwänin mit ihrem Nachwuchs in den Kamerafokus nahm, gesellten sich zwei Angler zu ihr und erklärten trocken: „Das ist dem Eckart seine Alte. Die ist bescheuert.“

„Manchmal fahre ich einfach los. Das Navi gibt einem die Gewissheit, dass man auch wieder nach Hause findet.“

Blick vom Mülheimer Bismarckturm; Foto: Michael Blatt

Für den Pott und das einzigartige Lebensgefühl seiner Bewohner hat Juliane Helmke sogar einen eigenen Begriff kreiert: „Herzensschmodder“. „Der sitzt in allen Ecken. Das fühlst du in allen Gegenden.“ Dabei wird die 35-Jährige nicht müde, immer neue ihr bis dato noch unbekannte Ecken und Gegenden kennenzulernen. Neben den gängigen Info-Quellen Reiseführer, Zeitschriften und Internet überlässt Juli gerne dem Zufall die Richtung. „Manchmal fahre ich einfach los. Das Navi gibt einem die Gewissheit, dass man auch wieder nach Hause findet.“

Ihre Begegnungen und Entdeckungen von Orten der Industriekultur, Cafés oder außergewöhnlichen Straßenzügen hält sie hinterher „mit Abstand, nicht aus einer Laune heraus“ mit viel Liebe zum Detail auf dem heimatPOTTential-Blog fest. In einer Sprache, die man so eben nicht in den gängigen Tourismus-Publikationen gewohnt ist. „Ich bin ein Ruhrpottkind und habe eine schnoddrige Schnauze. Das soll man auch rauslesen.“

Professionelle Hobby-Bloggerin

Bemerkenswert: heimatPOTTential ist für Juli bis heute eine Freizeitangelegenheit. Hauptberuflich arbeitet die Sozialpädagogin in einer Mülheimer Jugendschutzstelle im Schichtdienst. Auch deshalb tut sie sich schwer damit, auf die Vielzahl an Anfragen für gemeinsame Projekte und Kooperation einzugehen. Sich die Zeit für Geschichten selbst einteilen und bei allen Aktion „frei Schnauze“ agieren zu können, bleibt für Juliane Helmke stets oberstes Gebot.

Weniger Berührungshemmungen hat sie dagegen in Bezug auf gleichgesinnte Netzaktivistinnen. Im letzten Jahr startete die Heimatpottlerin das Netzwerk „Blogowski“, dem derzeit knapp 40 Bloggerinnen aus dem Pott angehören und die sich monatlich an verschiedenen Orten zum Stammtisch verabreden und gemeinsame Aktionen unternehmen. Auch am Anfang des Jahres gegründeten Kollektivs „NRW Blogger“ ist Juli maßgeblich beteiligt. „Ich werde das solange machen, wie ich lustig bin“, schaut sie entspannt in die eigene Blog-Zukunft, immer noch verblüfft über die große heimatPOTTential-Popularität. „Als ich damit angefangen habe, habe ich nicht damit gerechnet, dass das Ganze auch nur ansatzweise diese Ausmaße erreicht.“


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