Gudrun Lange: Erschöpfung/Einschöpfung im Hofgarten

| Fotos: Oliver Paul

Kurz vor Beginn von Gudrun Langes neuer Tanzperformance „Erschöpfung/Einschöpfung“ bricht die Sonne durch die grauen Wolken, die über dem Düsseldorfer Hofgarten liegen. Die Bühne ist in blaues Licht getaucht, Synthieklänge ertönen und im Hintergrund zwitschern die Vögel. Eine Stimme erzählt von einem leeren und schon ein wenig maroden Ladenlokal, das sich auf der Birkenstraße 47 in Düsseldorf-Flingern befindet. Zwar hat das Ladenlokal Fliesen, eine Decke und verputze Wände, aber dennoch verliert es durch sein Leerstehen den ursprünglichen Sinn. In jenem Ladenlokal ist übrigens auch die Choreographie für „Erschöpfung/Einschöpfung“ entstanden. Danach beschreibt die Stimme eine Person, die grüne Augen, ein Grübchen, mittellanges mittelbraunes Haar und ein kleines Kinn hat. Währenddessen betritt die Beschriebene die Bühne: Gudrun Lange.

Erschöpfung/Einschöpfung“ möchte Parallelen zwischen einem Menschen und einem Haus ziehen. Ein Körper, der die Leere eines Burnouts hat erfahren müssen, erkundet tänzerisch einen verlassenen, entkernten Raum. Auf der Bühne baut sich Gudrun Lange eine Höhle aus Schaumstoffkissen und haucht mit geschlossenen Augen “There is no body!” ins Mikrofon. Die Performance rückt das Symbolische sehr in den Vordergrund und betont immer wieder die Rahmenbedingungen, die zur Entstehung geführt haben. Gudrun Lange berichtet mit großer Offenheit über ihren eigenen Burnout, das damit einhergehende Körpergefühl und über die Rückkehr zur “Normalität”. Zu diesem Zweck muss die Schaumstoffhöhle immer wieder niedergerissen werden und der Körper, der nicht mehr will, wird mithilfe der Hände bewegt und wieder in Schwingung gebracht. Tänzerisch versucht Gudrun Lange einen imaginären Punkt einzuzirkeln, scheint der Ursache des Burnouts auf den Grund gehen zu wollen. Die Klänge, zu denen sie sich bewegt, werden dabei ständig von ihr selbst erzeugt. Sie singt oder spricht ins Mikrofon, ihre Stimme wird aufgezeichnet und danach geloopt. Mit der Zeit entsteht so eine klangliche Vielschichtigkeit, die im Kontrast zur anfänglich beschriebenen Zweidimensionalität des Burnouts steht.

Obwohl die circa 45-minütige Performance ein ernstes und sehr persönliches Thema tänzerisch und klanglich verarbeitet, ist die Atmosphäre warm, schön und beschwingt, wie der Juliabend im Park. Gudrun Lange, die im rosafarbenen plissierten Top und goldenen Turnschuhen leichtfüßig über die Bühne tänzelt, ist ein Beweis dafür, dass die Rückkehr nach dem Zusammenbruch möglich ist. Oder dass ihr Vorhaben gelungen ist, “die beste Version von sich selbst zu werden”.