Folkwang Physical Theatre Festival

Verkörperungsgelüste

Eine kahle Bühne im Maschinenhaus auf dem Gelände der Essener Zeche Carl. In der Ecke ein Gold überzogener Tisch mit zwei Stühlen. Zwei Studentinnen des Studiengangs Physical Theatre der Folkwang Universität der Künste treten in Taucherbrillen und Schwimmflossen auf und watscheln eine Weile komödiantisch hin und her. Plötzlich schreien sie gleichzeitig in den Raum hinein, bei der einen geht’s um: „Nur wer schön ist, hat einen guten Charakter!“, während die andere sich mit „Ich will essen, worauf ich Lust habe!“ beschäftigt. Sie nehmen die Brillen ab und sehen sich verdutzt an. Dann setzen sie sich auf die Stühle und bewerfen sich mit Essen. Ende der Szene.

„Die Spieler des Physischen Theaters sind Seiltänzer zwischen Körpertext und Wortkörper“, erklärt der Leiter des Studiengangs Prof. Thomas Stich. „Körper als Substanz, als plastische, formbare Materialität, an der Verkörperungsgelüsten unterschiedlichster Form nachgegangen wird. Mal sind diese Erzählungen still, mal das Körperspiel beredet, mal brüllen die Körper wortlos.“

Das zweite Folkwang Physical Theatre Festival lädt nun an vier Julitagen zu Aufführungen und Workshops. Fünfzehn nationale und internationale Künstler und Gruppen führen visuelle Geschichten auf: von klassischen Ansätzen wie Maskenspiel, Körper- und Figurentheater hin zu zeitgenössischen Einflüssen aus Performance, Neuer Zirkus und Tanz.

Unter anderem Habbe & Meik, die seit 20 Jahren das Publikum in Masken wortlos bespaßen. Die Komödianten Hartmut Ehrenfeld und Michael Aufenfehn, beide ehemalige Studenten der Universität, präsentieren ihr „The Best“-Programm, in dem mehrere Kurzgeschichten vorgeführt werden.
Zudem zeigen HeadFeedHands ihr Stück „Alle 4 Minuten“ das sich mit gesellschaftlicher Paranoia beschäftigt. Die Gruppe leitet außerdem den Workshop „Emotionen in Bewegung“, bei dem die Teilnehmer ihren Körperausdruck neu erleben dürfen. Zu den Workshops muss man sich allerdings unbedingt vorher anmelden. Die Studenten und Studentinnen sollen auf dem Festival Praxiserfahrungen sammeln, am besten wenn sie ihre selbst erarbeiteten Stücke vorführen.