Emscherkunst: Sperrmüll auf Hochglanz

Anna Witt und das goldene Sofa | Foto: Urbane Künste Ruhr

Mondän wirkt das Sofa, auf dem Anna Witt fürs Foto Platz genommen hat. Es ist mit einem glänzenden kupferfarbenen Stoff und Verzierungen überzogen, schimmert golden im Sonnenlicht. Dem scheinbar Wertlosen wieder einen Wert geben, das will die Künstlerin mit ihrem Emscherkunst-Projekt „Breaking New“, bei dem Sperrmüll und Schrott zu schönen und nützlichen Möbeln umfunktioniert werden.

Anna Witts Lebensmittelpunkt liegt eigentlich in Wien, der Stadt, in der irgendwann im vorletzten Jahrhundert die Zeit stehen geblieben ist. Von dort kommend erkundete sie im Auftrag der Emscherkunst das Ruhrgebiet und wurde von seiner Tristesse nicht abgeschreckt. Sie verliebte sich in seinen spröden Charme und blieb irgendwann in Duisburg-Marxloh hängen. „Ich wollte dort leben und sehen, wie die Region funktioniert“, sagt sie. Bald fiel ihr auf, dass der öffentliche Raum in Marxloh und Umgebung voll alter, meist unbrauchbarer Möbel ist. Das Konzept eines Upcycling-Projekts war geboren.

Upcycling hat für Anna Witt zwei Aspekte: „Zum einen das Wiederverwerten oder Wiederaufbereiten von Müll. Aber es ist auch der Aspekt des Produzierens, der in der Region verloren ging, und der mit diesem Projekt gefeiert und öffentlich sichtbar gemacht wird.“ Aus über hundert Bewerbern stellte die Künstlerin 15 Performer zusammen, die mobile Produktionsteams bilden und während des Emscherkunst-Zeitraums den öffentlichen Raum rund um Duisburg-Marxloh erkunden. Dabei sind Schreiner, ehemalige Polsterer, aber auch junge Menschen, die vorhaben, Design zu studieren. Direkt vor Ort bauen sie aus Fundstücken nutzbare Möbel: Stühle, Sessel, Tische, Hocker.

Die Möbel bleiben dann an Ort und Stelle stehen. „Sie gliedern sich ein in die alternative lokale Ökonomie“, sagt Anna Witt, die vor Ort vielen Schrottsammlern begegnet ist, die nach wieder verwertbaren Altmetallen suchen. Vielleicht ziehen bald Menschen durch den Stadtteil, die nach neuen, glänzenden Möbelstücken Ausschau halten.

Für die Corporate Identity der Möbelstücke und die Einrichtung des Besucherzentrums, das die Künstlerin Headquarter nennt, hat sie mit der Gruppe Uglycute aus Stockholm zusammengearbeitet. Für die Auswahl des Möbelüberzugs stand unter anderem die legendäre Brautmodenmeile von Duisburg-Marxloh Pate. Im Besucherzentrum werden alle Fundstücke und neu aufgebauten Möbel dokumentiert. „Wenn wirklich jeden Tag etwas entsteht, haben wir am Ende über hundert Objekte“, freut sich Anna Witt und scheint selbst etwas überrascht von der Dimension zu sein, die ihr Projekt angenommen hat.

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Emscherkunst: 22.6.–6.10.

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30.6.–18.8. & 15.–29.9. Besucherzentrum (Lindnerstr. 2), Oberhausen

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