Dagewesen: Es kann nur eine(n) geben im Theater Glorreich

Saloonfähig

Nach einer Geschichte, die das Leben schrieb: Als Glorreich-Theater-Chefin, Schauspielerin, Autorin und Regisseurin Juliane Strizewski ein Casting für die Inszenierung einer Wild-West-Satire ausschrieb, bewarben sich ausschließlich Frauen. Kurzerhand strickte sie die schräge Komödie um, und damit den ambitionierten Amateurinnen auf den Leib. Statt Cowboys und Indianern kämpfen nun in „Es kann nur eine(n) geben“ zuerst einmal vier völlig unterschiedliche Bewerberinnen auf der Besetzungscouch um eine Rolle, dann als Saloon-Ladies um ihre Existenz.

Als einziger Hahn im Korb gibt Alex Mönich den nervösen und zerstreuten Produzenten und späteren Sheriff, den die geballte Frauen-Power inklusive Faustkämpfen und schrillem Weiber-Geschrei zum Finale noch Kopf und Kragen kosten wird.Aber auch das Publikum lässt Federn. Wer schüchtern auf energiegeladene Interaktion reagiert, sollte sich die freie Platzwahl zunutze machen und ein sicheres Örtchen am Rande des Geschehens besetzen. Denn bereits im malerisch hergerichteten Foyer, das donnerstags bis samstags nun auch als Bar, Bistro und Lounge in Betrieb ist, wird der arglose Gast beim Verzehr leckerer Flammkuchen ordentlich bespielt, bevor es auf der Bühne richtig zur Sache geht.

Da repräsentieren in der ersten Halbzeit die jungen Talente dann, amüsant auf die Spitze getrieben, vier Drama Queens im Casting Clinch.Noelle Haeseling ist die überdrehte Kandidatin, die sich über überdrehte Kandidatinnen beschwert und später noch mit wunderschönem Gesang und Klavierspiel überzeugt. Kati Mühlenbein verschwindet zur Erheiterung des Publikums als abgeklärte Kennerin diverser Darstellungstechniken immer wieder in kontemplativer Konzentration. Jasmina Hanf poltert als mitreißend kraftstrotzende Rampensau mit jeder Menge Sex Appeal über die Drehbühne. Clarissa Teicke singt liebenswert-schnodderig einen Spatzensong. Klar, dass dieses Quartett mit seinen Qualitäten den Produzenten überzeugen wird. So nimmt das Stück im Stück seinen temporeichen Lauf. Wer den mit so viel Verve agierenden jungen Akteurinnen seine Referenz erweisen will, kann sich bei jeder Aufforderung zur Aktion sogleich mit einer Reaktion bedanken.