Linie 1: Urbane Lovestory im MiR

Ensemble „Linie 1“ | Foto: Pedro Malinowski

Pferdeschwanz, Röhrenjeans, Lederjacke und der typische Sound der 80er: Das Berliner Kultmusical „Linie 1“ rockt das kleine Haus imGelsenkirchener Musiktheater. Vom ersten bis zum letzten Ton leitet die fünfköpfige Band „No Ticket“ das altersmäßig durchmischtePublikum durch die Straßen Berlins. Eine nostalgische Reise, ein Stück Zeitgeschehen, knallbunt, unterhaltsam und schön choreografiert.

Neonröhren und Stahlgerüste strahlen Seelenkälte aus, eben die Anonymität der Großstadt, cool und unnahbar. Viele der Figuren leben am Rand der Gesellschaft und ihre Probleme erscheinen sehr heutig: Altersarmut, Jugendarbeitslosigkeit, Umweltverschmutzung und Alltagsrassismus sind keine spezifischen Phänomene des „Linie 1“-Zeitalters. In der berühmten U-Bahn-Szene (Song: „Du sitzt mir gegenüber“) prallen Distanz und der Wunsch nach Nähe unverblümt aufeinander. Die Milieustudie, die seit 1986 am Berliner Grips Theater erfolgreich ist, funktioniert auch in Gelsenkirchen, dafür braucht es kaum Modernisierungen. Aufmüpfige Punks, verlotterte Drogenabhängige, reaktionäre Senioren und Spießbürger aller Art sind ihrem Klischee entsprechend inszeniert, überzeichnete Charaktere mit viel Selbstironie.

Die Rolle des Mädchens, das aus der Provinz nach Berlin ausreißt, um ihre große Liebe wieder zu sehen, übernimmt Yvonne Forster. Mit jugendlichem Charme und einer verblüffenden Naivität schlägt sie sich durch die urbane Unterwelt und wächst an der Aufgabe. An ihrer Seite stehen unter anderem Jeanette Claßen und Annika Firley in verschiedenen Rollen, die beide spielerisch und gesanglich sehr beeindrucken.

In Carsten Kirchmeiers Regie wird die inhaltlich überschaubare Geschichte zu einem leichtfüßigen Musicalabend. Der direkte Umgangston trifft auf Kitsch und Liebesleid (Song: „Mut zum Träumen“) und gerade diese Gegensätze machen die U-Bahn-Lovestory aus. Ariane Schön

 

 

 

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