Knallbunte Zukunftswesen: Aljoscha stellt doppelt aus

In Stayin‘ Alive-Pose: Skulptur von Aljoscha | Foto: Aljoscha

Ende Mai starten gleich zwei Ausstellungen des Künstlers Aljoscha. Im Benrather Schloss bespielt er acht Räume mit jeweils einem futuristischen Objekt. In der Galerie Beck und Eggeling liegt der Fokus auf der Malerei. Außerdem ist eine große Installation zu sehen. Im Interview hat der 42-Jährige verraten, wie seine zum Teil knallbunten Arbeiten entstehen. Und welche Botschaft dahintersteckt.

Ein bisschen Silikon klebt noch am Programmheft, das Aljoscha der Autorin mitgegeben hat. Ein Mikropartikel seiner Kunst. „Von ganz klein bis Menschenkörper“ beschreibt er die Größenverhältnisse seiner Objekte, die sich geheimnisvoll in die freien Flächen seines hellen Ateliers schmiegen. Angefangen hat der gebürtige Ukrainer, der seit über 20 Jahren in Düsseldorf lebt, mit Zeichnungen. Es folgten Malereien, Objekte und Installationen. Obwohl man überall Kunst erschaffen könne, verweist er in Bezug auf seine Heimat auf das Sprichwort „Je größer die Fische, desto tiefer das Wasser.“ In der Ukraine sei das Wasser „sehr niedrig“, meint Aljoscha.

Der großgewachsene Mann mit Brille sieht in seinem hellgrauen Mantel fast ein bisschen aus wie ein Maler. Und so fühlt er sich auch. Seine Objekte und Installationen, erklärt er, seien „eigentlich auch Malerei - nur dreidimensional“. Alle Arbeiten entstehen mit Muße und Geduld. „Ich mag durchdachte Dinge“, sagt er

Der Künstler deutet auf ein rötliches Objekt, das an eine etwas breitere Koralle erinnert und erklärt seine Vorgehensweise: Durchsichtiges Acrylglas formt er mittels Hitzeeinwirkung und bestreicht den entstandenen Körper dann mit einer Mixtur aus Silikon und Ölfarben. Bis er alle einzelnen Teile zu kleineren oder größeren Wesen geformt und zusammengesetzt hat, dauert es manchmal Monate. Die Entstehung der Ausstellungsstücke für das Schloss Benrath hat rund ein Jahr gedauert. Kleinste, gerüstartige Wesen in Glaskuppeln sind dort genauso zu sehen wie ein 13 Meter hohes Objekt. „Die Idee dahinter ist die Zusammenkunft von Biologie, Futurismus und Ethik“, erklärt er. Bald schon könnten Künstler, ebenso wie Biologen, lebendige Wesen schaffen, ist sich Aljoscha sicher. Und das ist bitter nötig – hadert doch die Menschheit schon ewig mit sich und ihrem Unglück. „Wir sind getrieben“, meint Aljoscha und philosophiert über den Reiz des Neuen. „Deshalb gucken wir ja auch diese Bildchen von Instagram“, lächelt er. Eine neue Ästhetik schwebt ihm - im wahrsten Sinne des Wortes - vor. Seine „Zukunftswesen“, die inmitten der Räume ihren Zauber versprühen, verhelfen bestimmt auch zur zweiten Intention des Künstlers: neue Wege zur Glückseligkeit zu finden. Nadine Beneke

Aljoscha
„The Gates of the Sun and the Land of Dreams“
28.5.-17.9. Schloss Benrath
31.5.-29.7. Beck und Eggeling
Düsseldorf