Shakespeare Festival: Good Old Will

Szene aus „Enrique VIII.“ | Foto: Jaime Villanueva

Trockenerbsen, Kanonenkugeln und Schafsinnereien: So unangenehm liest sich die Requisitenliste des Londoner Globe Theatres von 1599. Jahrhunderte später werden zwar immer noch Regen, Donner und Verletzungen simuliert – das inzwischen 24. Shakespeare Festival im Neusser Globe beschränkt sich bei der Nachahmung des Elisabethanischen Theaters aber auf die Form der Veranstaltungsstätte selbst. Einen ganzen Monat lang, vom 19. Juni bis zum 19. Juli, dient das „Wooden O“ auf der Neusser Galopprennbahn als Festivalherberge.

In diesem Jahr gibt es einen ganz besonderen Grund zur Freude: Der Schreiber aus Stratford-upon-Avon feierte im April seinen 450. Geburtstag. Die Themen seiner Stücke haben im Laufe der Jahrhunderte kein Stück an Brisanz verloren: Verrat und Treue, Liebe und Betrug, Hass und Gier. Zu Beginn des Festivals wird aber zunächst einmal gebührend gefeiert. „All’s Will That Ends Will“ heißt die Uraufführung der Geburtstagsshow, die die bremer shakespeare company für den 19. Juni vorbereitet hat. Die Aufführung vereint Beleidigungen, alte Bekannte aus anderen Stücken und die Aufdeckung gut gehüteter Geheimnisse. Ein unterhaltsames Geschenk also.

Natürlich zeigt das Festival außerdem eine große Auswahl an Klassikern wie „A Midsummer Night’s Dream“ (24.–28.6.) von der wild kostümierten Propeller Company oder „Much Ado About Nothing“ (2. und 3.7.) der Kompanie Globe Theatre On Tour. Die Stücke und Vorträge finden je nach Abend und Kompanie in englischer, spanischer oder deutscher Sprache statt. Doch keine Scheu: Deutschsprachige Szenenfolgen sind zu jeder Aufführung erhältlich. Auch bei der auf spanisch vorgetragenen Geschichte von Katharina von Aragon und ihrem vorübergehenden Gatten „Enrique VIII.“ (Heinrich dem VIII.). Die Madrilenen von Fundación Siglo De Oro lassen die prachtvolle Aufführung mit einem bahnbrechenden Ereignis ausklingen: Der Geburt von Shakespeares späterer Königin. Kanonenschüsse sind dabei übrigens streng verboten. 1613 setzten diese nämlich das Londoner Globe in Brand.

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Wilde Kostümierungen: Propeller Company Foto: Dominic Clemence