Quadriennale Düsseldorf: Gemeinsame Sache(n)

Blinde Zerstörungswut: Brandt Brauer Frick | Foto: Nico Stinghe & Park Bennett

Gestartet ist sie bereits im April, die Quadriennale. Richtig spannend wird es allerdings erst jetzt, da man sich in die Stadt hinein öffnet und gemeinsame Sache mit unterschiedlichen Akteuren macht. Philipp Maiburg vom Open Source Festival, Karl Heinz Rummeny (Parkhaus) und Alex Wissel (Single Club) oder Jan Wagner von der Filmwerkstatt sorgen dafür, dass das Festival für bildende Künste nicht im eigenen Saft kocht. coolibri stellt vier Kollaborationen vor.

ANOTHER PLACE: Stimmen aus dem Off

In Düsseldorf kam das Phänomen der Off-Räume in den 1990er Jahren verstärkt auf. In der Zeit entwickelten sich zahlreiche dieser von Künstlern selbst organisierten Räumlichkeiten. Mit dem cleanen Inneren eines Museums/einer Galerie haben diese Orte meist nichts gemein, dennoch sind sie für eine lebendige Kunstszene unerlässlich. Karl Heinz Rummeny ist diese Welt der abgeranzten Hinterhöfe, der leer stehenden Ladenlokale und rauen Lofts äußerst vertraut. Seit 1997 ist der Düsseldorfer für den Offraum Parkhaus verantwortlich, ein ehemaliges Gartenhäuschen im Malkastenpark. Für die Quadriennale hat Rummeny nun „ANOTHER PLACE / ANOTHER SPACE / TOGETHER“ entwickelt. „Die Ausstellung soll einen Teil der lebendigen Off-Raum-Szene hier in Düsseldorf zusammenfassen“, sagt er. 20 Räume wurden ausgewählt, darunter der „Raum für vollendete Tatsachen“, Spam Contemporary aus Flingern oder das Studio Roh auf der Mintropstraße. Jeder von ihnen lädt, so sieht es das Konzept vor, maximal vier Künstler ein. Ort des Geschehens ist der ehemalige Toom-Baumarkt an der Oberbilker Allee. Die Ausstellung erstreckt sich über zwei Etagen des Hauptgebäudes. Ein weiteres Gebäude auf dem Gelände wird für Veranstaltungen in Beschlag genommen. Für diesen Part des Projekts zeichnet Alex Wissel verantwortlich, der einst den Single Club betrieb und nach einem Aufenthalt in Israel bereits seit einigen Monaten wieder in Düsseldorf weilt. „Für den Raum hat Alex eine völlig neue Innenarchitektur mit Theke, Bühne, Tischen und Bänken entwickelt“, so Rummeny. Eine Wiederbelebung des legendären Single Clubs sei aber nicht geplant. Sondern Performances, Lesungen, Diskussionen, Filmvorführungen und mehr.

24.5.-11.6, je Mittwoch-Sonntag, 14-19 Uhr, ehem. Toom-Baumarkt, Oberbilker Allee 51, Düsseldorf

Videoparcours: Gewagter Gang

Die Idee, sich mit moderner Kunst auf ein fremdes Terrain zu begeben, ist keine neue. Dennoch gibt es in der Landeshauptstadt wohl kaum einen Ort, der dafür ungeeigneter erschiene, als das Herz der Düsseldorfer Altstadt. Es ist also durchaus ein Wagnis, das Jan Wagner eingeht. Aber ist Kunst zu machen das nicht eigentlich immer? Für nur einen Tag, den 31. Mai, befüllt Wagner, künstlerischer Leiter der Filmwerkstatt, jene altstädtischen Räumlichkeiten, die sonst in erster Linie zum Abstürzen (Kir Royal), Daddeln (Merkur Spielothek) oder Tanzen (Kulisse) genutzt werden, mit Videokunst. Über Bildschirme, auf denen sonst in erster Linie Fußballspiele gezeigt werden, flimmern dann Filme zwischen 2 und 41 Minuten Länge. Die Künstlergruppe AGZ, kurz für Anarchistische Gummizelle, ist im Dä Spiegel zu Gast. Dort kommt „Im Rhenus Haus“ zur Aufführung. Alex Wissel (Single Club) und Nikolai Szymanski von der Band Stabil Elite zeigen ihre Kollaboration „Mamy Blue“ in der Kulisse. Und Yvonne Rainers „Hand Movie“ ist im Irish Pub Mc Laughlins zu erleben. 19 Orte sind insgesamt beteiligt. An jedem läuft ein Film. Ausnahme: das Cinema, wo zwei Machwerke sich abwechseln. Dass von ihnen jemand Notiz nimmt in diesem Umfeld, scheint mehr als fraglich. Aber man hat schon Pferde kotzen sehen. Gerade in der Altstadt.

31.5. 14-0 Uhr, Altstadt, Düsseldorf

Ode an das Büdchen

Foto: ASPHALT Festival Düsseldorfer

Offiziell heißen sie Trinkhalle oder Kiosk. Der Düsseldorfer aber nennt sie liebevoll Büdchen, was ungleich besser passt. Während die Tante-Emma-Läden ausgestorben sind, scheint es, als seien jene Händler, die Zigaretten und Zeitschriften, saure Gurken und Brausebonbons feilbieten, unkaputtbar. Keine der kleinen Versorgungsstationen, die meist sehr früh morgens öffnen und erst sehr spät abends wieder schließen, ist wie die andere. Eigens für die Quadriennale hat das Theaterkollektiv per.Vers die „Ode an das Büdchen“ entwickelt. In einer inszenierten Führung folgt das Publikum einem jungen Mann auf seiner Tour durch die Stadt. Und zu zahlreichen Trinkhallen, an denen es Monologe und Gespräche zu belauschen gibt. Zu Fuß sowie per Bus verläuft die dramatische Erkundung. Begleitet werden die Teilnehmer von Schauspielern und Musikern. Letztere bringen an jeder Bude ihre Instrumente zum Einsatz. So unterschiedlich wie die Kioske sind, klingen sie nämlich auch. Der Komponist Bojan Vuletic hat jedem Mini-Lädchen eine eigene Hymne auf den Leib geschrieben. Man darf gespannt sein, wie das klingt!

13.6. verschiedene Büdchen, Düsseldorf
Anmeldungen unter
info@quadriennale-duesseldorf.de oder 0211-8999919

Musiknacht: Vorspiel mit dem Open Source Festival

Bereits seit vielen Wochen wirft das Open Source Festival seine Schatten voraus. Überall in Düsseldorf prangt das geschmackvolle Artwork zum hochsommerlichen Open-Air-Reigen an Plakatwänden, Bauzäunen, in Geschäften und Cafés. Auf der Galopprennbahn Grafenberg gehen am 12. Juli bereits im neunten Jahr keine Huftiere, sondern Musiker in die Startboxen. Auch Max Herre, Zugpferd der diesjährigen OSF-Ausgabe, scharrt bereits mit den Füßen. Das aber ist vorerst noch Zukunftsmusik. In der Gegenwart, sprich im Monat Juni, präsentiert sich das Open Source Festival erst einmal im Rahmen der Quadriennale. Der Abend des 14. Juni steht unter dem Motto „Musik über das Morgen hinaus“ und ist derart üppig mit Programm bestückt, dass man durchaus von einem eigenen kleinen Festival sprechen kann. Was im Juli auf der Rennbahn Max Herre sein wird, sind beim Vorspiel im Juni Mouse on Mars. Die ehemaligen Düsseldorfer performen ab 22.30 Uhr im K21 erstmals in der Landeshauptstadt ihr audiovisuelles Mapping-Set. Im Robert-Schumann-Saal stehen ab 20 Uhr Brandt Brauer Frick auf den Brettern, ein Trio aus Berlin, das auf sein Debütalbum „You Make Me Real“ allerorten begeisterte Reaktionen erntete. Mit präpariertem Konzertflügel und Elektronik gehen die Düsseldorfer Grandbrothers zu Werke. Sie haben eigens für den Abend im NRW-Forum neues Klangmaterial komponiert. Dabei ließen sie sich von drei Stummfilm-Sequenzen inspirieren. Im IMAI steht derweil der Musiker mitten in der Kunst. Antonelli – auch bekannt als Stefan Schwander – spielt ab 22 Uhr in einer großen Projektion wandfüllender Bilder, für die die Videokünstler Kamila B. Richter und Michael Bielicky verantwortlich zeichnen. Nach Ende seines Sets muss Schwander die Propellerschuhe anlegen, um möglichst fix Standort wie auch Identität zu wechseln. Schon ab 23 Uhr ist er nämlich mit den Durian Brothers im KIT Café Mittelpunkt des Geschehens.

14.6. K21 Kunstsammlung NRW, Düsseldorf

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5.4.–10.8. verschiedene Orte, Düsseldorf

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