Glückliche Tage: Oder auch nicht

| Foto: Sebastian Hoppe

Der Franzose Stéphane Braunschweig gilt als einer der bekanntesten Schauspiel- und Musiktheaterregisseure Europas. Im Düsseldorfer Schauspielhaus inszenierte er Samuel Becketts „Glückliche Tage“.

Zart, zerbrechlich steckt „Winnie“ Claudia Hübbecker bis zur Taille im ultramarinblauen Hügel fest. Ausstaffiert mit feiner Perlenkette, edlem Spitzenkleid, gefiedertem Hut und beklemmender Geduld ringt sie mit den Tatsachen, die das Leben mit sich bringt. Hübbecker kämpft leise, nervös ihr Gefängnis befingernd, gegen Verfall, Vergessen, Verluste, schwindende Mobilität, den Tod. Tapfer und aufrecht hält sie die dahinter lauernde, nur ab und an durchblitzende Verzweiflung im Zaum. Noch reicht ihr Aktionsradius gerade bis zum schwarzen Einkaufsbeutel, in dem sie „Überlebens“-Utensilien wie die Zahncreme, eine Spieluhr, ihre Brille, einen Spiegel – und eine Pistole verwahrt. Unablässig monologisiert sie über diese „himmlischen“ Tage der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, die dem Zuschauer ein zugespitztes Abbild dessen, was uns schlimmstenfalls erwarten könnte, entgegen wirft. Schonungslos ist diese halbierte Winnie bei ihrem Dahinschwinden der Kamera ausgeliefert. Ihr Konterfei auf der riesigen Leinwand beherrscht das Bild (Bühne: Stéphane Braunschweig, Alexandre de Dardel) und verdoppelt die sensibel inszenierte Intensität.

Indes schleppt sich ihr verletzter Gatte Willie (Rainer Galke) kaum mehr konkreter Äußerungen fähig und gerade noch in Winnies Hörweite durch die sie umgebende Hügellandschaft aus stahlkalten Konstruktionen. Sein Kriechen schmerzt bis in die hinteren Ränge. Gemeinsam sind die beiden diesem apokalyptischen Szenario ausgeliefert, doch sie können sich längst nicht mehr erreichen, können einander auch nicht helfen. „Oh, dies ist ein glücklicher Tag, dies wird wieder ein glücklicher Tag gewesen sein! Trotz allem. Bislang.“, repetiert Winnie beharrlich. Da steckt sie längst schon bis zum Hals in dem mittlerweile frei gelegten und an eine seelenlose Apparatemedizin gemahnenden überdimensionalen eisernen Reifrock fest.

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