Zeitzeug_ Festival: Insziniert euch!

Synthiekiste von Sebastian Scheeren

Das Theater ist tot, es lebe die Performance. Trends lassen sich meist zuerst in Produktionen abseits der institutionellen Häuser feststellen. So verkündete die Theater Biennale „Impulse“ gerade erst die Abschaffung einer Preisverleihung, da sich moderne, genre-übergreifende Performances nicht mehr vergleichen ließen. Und auch das Bochumer megaFon Festival unterzieht sich in diesem Jahr der „Megamorphose“ und wagt „den strukturellen Übergang des Theaterfestivals in ein offenes Kultur- und Kunstfestival.“

Dieser Übergang beginnt schon im Namen, denn aus megaFon wird ab sofort Zeitzeug_. Der Unterstrich ist dabei sowohl eine Absage an gängige Genderstrukturen, als auch an Kategorien und feste Strukturen im Allgemeinen. Programmatisch erwarten die Besucher künstliche Konzerte, Theaterstücke arbeiten mit Mitteln der Kunstausstellung und Ausstellungen erzählen ganze Geschichten.

Was auf den ersten Blick nach verwirrender Avantgarde klingt, ist im Grunde ein bekannter Hut: Ein Pop-Konzert inszeniert immer auch den Musiker als Kunstfigur, genau wie die Anordnung in einer Galerie oder einem Museum immer auch eine Gesamtgeschichte erzählt. Man muss also weder Kunst noch Theater noch irgendwas studiert haben, um beim Zeitzeug_ Festival spannendes oder unterhaltsames für sich entdecken zu können.

Für Fans von elektronischer Musik, alten Spielkonsolen und technischen Spielzeug empfiehlt sich beispielsweise die Performance von Johannes Scheeren. Unter dem Pseudonym :-) (smile) baut dieser mit Hilfe von CMOS Chips kleine, bunte Synthiekisten aus denen er Nintendo-ähnliche Sounds aber auch ganze Elektro-Melodien herausholt. Wer Lust hat, kann die „Krachkisten“ im Workshop nachbauen.

Das Stück „An meinen toten Vater“ von RoedewaldFoest lässt die Zuschauer per Kopfhörer an den Gedanken und Erinnerungen eines trauernden Sohnes teilhaben. Dazu erzeugen Schauspieler durch verschiedene szenische Darstellungen, bildliche Assoziationen. „An meinen toten Vater“ ist ein autobiographisches Werk des Schauspielers Holger Foest.

Insgesamt bespielt das Zeitzeug_ Festival, das komplett von Studierenden der Ruhr-Universität-Bochum organisiert wird, vom 12.6. bis zum 16.6. verschiedene Orte in der Innenstadt von Bochum und bewegt sich so auch räumlich weg vom Theoriestandort Uni hin zum Lebensmittelpunkt Stadt.

Spielorte des Zeitzeug_ Festivals

Kommentare

  1. von Aaron Jablonski 10.06.13 (19:17 Uhr)

    Hier findet ihr alle Videos zum Festival:

    https://vimeo.com/channels/zeitzeug

    Künstlerportraits im Vorfeld und sobald es losgeht aktuelle Clips aus dem Programm!

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