Theater Biennale: Komprimierte Impulse

In den Bochumer Kammerspielen: She She Pop mit „Schubladen“ | Foto: B. Krieg

Yael Bartana ruft am 28. Juni alle Kölner dazu auf, um 11 Uhr für zwei Minuten still zu stehen und inne zu halten. Bernadette La Hengst gibt ab dem 6. Juli Besuchern des Bochumer Prinz Regent Theaters ein Chorisches Coaching zum Thema Arbeit und nennt es „Bedingungsloses Grundeinsingen“.

Wie will man diese Performances, die beide im Programm des Festivals der Freien Theater Impulse zu erleben sind, miteinander vergleichen? Der neue künstlerische Leiter Florian Malzacher findet: Das geht nicht. Also schaffte er kurzerhand die Preisverleihung ab: „Sie ist nicht mehr zeitgemäß.“ Das ist nicht die einzige Änderung beim Festival, das im Zwei-Jahres-Rhythmus stattfindet und die Entwicklung des Freien Theaters abbilden will.

Zum neuen Konzept gehört auch, dass fast alle der 14 eingeladenen Produktionen nicht mehr durch die vier austragenden Städte Köln, Düsseldorf, Bochum und Mülheim touren, sondern nur an jeweils einem Standort gezeigt werden. An zwei Wochenenden zwischen dem 27. Juni und 6. Juli werden je zwei Städte bespielt. „Man sagt immer, NRW sei eine große Stadt“, erklärt Malzacher. „Wir tun einfach mal so, als ob das stimmt.“ Dass die Anzahl der Vorstellungen im Vergleich zu den letzten Impulsen 2011 zurückgefahren wurde, liegt auch daran, dass die Veranstalter erst nach einer Förderzusage Ende Februar sicher mit ihrem Budget von rund 800 000 Euro rechnen konnten.

Neu ist auch das Motto: Unter dem Titel „Under the influence“ soll die Bedeutung nationaler Zuschreibungen und Identitäten untersucht werden. Deshalb hat das Team die Voraussetzung, Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum zu zeigen, noch ernster genommen: „Die Künstler müssen ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland, Österreich oder der Schweiz haben“, sagt Florian Malzacher. Erstmals hat das Impulse-Team in einem Open Call Bewerber gesucht. Sie konnten auch Konzepte für neue Produktionen einreichen.

Die Performance „Zwei Minuten Stillstand“ hat Yael Bartana so extra für die Impulse kreiert und sich dafür vom israelischen Gedenktag Jom haSho’a inspirieren lassen. Die einzige Städte übergreifende Produktion ist Gesine Danckwarts temporäre Bar „Chez Icke“, die an den verschiedenen Standorten auch als Festivalzentrum dient. Mithilfe von „Barvataren“, die in ihrem rosa Hut eine Kamera tragen, können die Gäste städteübergreifend Kontakt aufnehmen. So wird aus NRW dann vielleicht tatsächlich für kurze Zeit eine große Stadt.

 

27.6.–6.7. verschiedene Spielorte, NRW

Impulse Theater Biennale: Schubladen-Theater

Als das Berliner Performance-Kollektiv She She Pop 2011 zu Gast in den Bochumer Kammerspielen war, gab es riesigen Beifall und Standing Ovations für den berührenden Väter-Abend „Testament“. Impulse, das alle zwei Jahre stattfindende Festival für freies Theater im deutschsprachigen Raum, bringt es zum zweiten Mal in Folge ans Bochumer Schauspielhaus: In „Schubladen“ begegnen She She Pop fast ein [mehr...]


4.7.-6.7. FFT Juta, Düsseldorf

Keine Geschichtsstunde: Nebenschauplätze Nr. 1

Der Mauerbau 1961, der Weltraumflug der Hündin Laika und das Attentat auf israelische Athleten bei den Olympischen Spielen in München 1972: Diese Ereignisse sind nur ein paar der Themen des Stücks „Nebenschauplätze Nr. 1: Das 20. Jahrhundert“. Im Rahmen der „Impulse Theater Biennale“ verarbeitet das Künstlerkollektiv Hofmann&Lindholm an drei Abenden im Juli jüngere Geschichte. Wer jedoch [mehr...]