Stalker: Schau und spiel

| Foto: Sebastian Hoppe

Seit Beginn der Spielzeit 2012/2013 und bis zur Sommerpause 2014 residiert das unabhängige Regiekollektiv „vorschlag:hammer“ am Düsseldorfer Schauspielhaus. Als aufmerksame Beobachter vor, hinter und in den Kulissen entwickelte die Truppe um Kristofer Gudmundsson, Gesine Hohmann und Stephan Stock nun mit „Stalker“ basierend auf dem gleichnamigen Film von Andrei Tarkowski ein Theaterstück über das Theater.

Mit gebündelten Lach- und Sachgeschichten rückt das Team insbesondere dem Betrieb an städtischen Bühnen auf die im Vergleich zur freien Szene noch recht ordentlich gepolsterte Pelle. Gekonnt auf die Schippe genommene hausinterne Katastrophen wie eine versehentlich ausgelöste Sprinkleranlage, Debakel bei der Intendantenfindung oder Debatten um Fördergelder amüsieren nicht nur Insider. Aber auch die ortsunabhängigen Tücken des Theateralltags, darunter der klassische klemmende Vorhang, das außerplanmäßig flackernde Licht oder der bockige Schnürbodenzug, finden ihre Daseinsberechtigung in dieser mit leichter, liebevoller und sicherer Hand konzipierten Aufführung. Dabei wird das Thema „Schauspiel“ keineswegs brachial ans Messer geliefert. Behutsam wird der Arbeitsprozess, einen anfangs nur von Erwartungen besetzten, aber noch leeren Raum mit magischen Momenten zu erfüllen, in Szene gesetzt.

Neben Gudmundsson, Hohmann und Stock glänzen ebenso Sofia Pfau und insbesondere ein höchst vitaler Moritz Löwe, der mal als hysterisch-durchgeknallter Regisseur, dann als illuminiertes und viel wissendes Kassenhäuschen im grob konfektionierten Pappmaché-Kostüm mit authentischer Spielfreude das Publikum begeistert. Faszinierend, dass es den Regisseuren und Akteuren dabei in schnell vergangenen rund neunzig Minuten gelingt, derart zahlreiche Register zu ziehen und durchaus ergiebig abzuhandeln, ohne auch nur eine Sekunde in peinlichen Klamauk abzugleiten. Dabei reicht das rasant dargebotene Repertoire der Möglichkeiten vom Drama bis zur Komödie, vom Chor bis zum Schmetterlings-Möwen-Salzwasserfisch-Tanz, vom Mephisto bis zur Zuschauerempörung, vom Bodennebel bis zur vom (realen) Requisiteur Wilfried Dahle auf des (von Stephan Stock gespielten) Bühnentechnikers Kopf zerdepperten Flasche. Der vorschlag:hammer hat erfolgreich zugeschlagen.

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