Düsseldorfer Literaturtage: Literarisches Allerlei

Gerade noch im Stadion, jetzt schon auf der Lesebühne: Frank Goosen | Foto: Volker Wiciok

Wenn man es gut meint, könnte man die Düsseldorfer Literaturtage vielseitig nennen. Wenn man es weniger gut meint, würde man vielleicht sagen, dem Festival fehlt die Linie. Fakt ist: Auch die dritte Ausgabe des literarischen Reigens, die zwischen dem 12. und 23. Juni stattfindet, bringt Autoren zusammen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten.

Da stehen Wiglaf Droste und Danny Dziuk neben dem lustgreisen Hellmut Karasek, Schauspielerin Andrea Sawatzki neben Fußball-Fan Frank Goosen. Eine Krimi-Bahn zockelt durch die Stadt, ein Literaturdampfer, auf dem Rilke gelesen wird, sticht in See und die Verleihung des Düsseldorfer Literaturpreises an Thomas Hettche wird auch noch in den Rahmen gepresst. Als wäre die fehlende programmatische Schlüssigkeit nicht schon schlimm genug, gastieren einige Literaten an etablierten Veranstaltungsorten, während andere bei Emmas Enkel, im Amts- und Landesgericht oder im Steigenberger Parkhotel auswärts spielen – in einer Extra-Reihe namens „Ortserkundungen“.

All das mag manchen Literaturfreund schon im Vorfeld verwirren. Wer sich von derlei Diffusion nicht abhalten lässt, für den gibt es an dieser Stelle einige Empfehlungen. Allen voran den „Dead or Alive Slam“, der im vergangenen Jahr ins Leben gerufen wurde und in diesem Jahr wiederholt wird – am 23.6. im Schauspielhaus. Bereits am 13.6. dürfen sich Wissenschaftler in ungewohnter Umgebung versuchen – beim „Science Slam“ im zakk, drei Tage später folgt an gleicher Stelle die „Poesieschlachtpunktacht“. Ebenfalls an der Fichtenstraße Station machen Wiglaf Droste und Danny Dziuk, die am 12.6. unter Beweis stellen, dass sie ein eingespieltes Team sind. Droste schreibt die Texte, Dziuk komponiert. Vorgetragen wird dann gemeinsam, wobei sich der Schreibende in der Vergangenheit als nicht komplett talentfreier Sänger entpuppte. In die Ferne geht es am 15.6. im Theatermuseum, wenn Andreas Stichmann aus seinem Roman „Das große Leuchten“ vorträgt. Auf der Suche nach Ana, der Tankstellenräuberin, zieht es Rupert und seinen schizophrenen Freund Robert in den Iran und ans Kaspische Meer. Auch Judith Kuckart schickt ihre Protagonistin auf eine Reise: Vera flieht vor Mann, Sohn und Freunden nach London. In dem Roman „Wünsche“ wirft die Autorin die Frage auf, ob man nach einem Neuanfang ein anderer ist. Eine Frage, mit der sich auch die Veranstalter der „Düsseldorfer Literaturtage“ einmal konfrontieren sollten.