Dagewesen: Enid Blyton und das Geheimnis um Uhlenhorst

| Foto: Lisa Sänger

Eine gemischte Tüte, ein Schokoriegel, eine Limo und ein Eis. Unbeschwert und verhätschelt schickt die Gruppe „copy & waste“ ihr Publikum hinein in ihr Enid-Blyton-Hörspiel-Abenteuer. Ganz wie in Kindertagen.

In der Mitte des Raumes befindet sich ein quaderförmiges Haus. Es hat keine Fassade, stattdessen wird das nackte Pressspanholz während des Stücks als Projektionsfläche dienen, um mal zum Poolhaus und mal zur Villa zu werden oder Videoaufnahmen von Monaco oder Mülheim Uhlenhorst aufzufangen und wiederzugeben. Die Inneneinrichtung scheint spartanisch luxeriös, ganz genau kann der Zuschauer es jedoch nicht sagen. Ihm ist nur ein Blick aus sicherer Entfernung, von seinem Klappstuhl über den weißen Lattenzaun und die Wiese mit der englischen Picknickdecke, hinein durch die großen Fenster gegönnt. Der Pöbel bleibt draußen.

Viel passiert auf dieser Bühne ohnehin nicht denn das Stück mit dem leicht sperrigen und doch irgendwie griffigen Titel „Enid Blytons Geheimnis um den unsichtbaren Reichtum einer Gesellschaft, die nur sich will“ ist zu 90 % ein Hörspiel, das nur wenig visuelle Reize streut. Das ist irgendwie retro und schnell fragt man sich: „Habe ich früher wirklich vorm Kassettenrecorder gesessen, und einfach nur zugehört?“ Wer dabei unruhig wird und seine zu Eingangs bekommenen Süßigkeitengutscheine nicht bereits alle aufgebraucht hat, kann zwischendurch zum Eis- oder Fantastand oder eben genüsslich an seiner sauren Schnur ziehen.

Weniger retro sind hingegen die Inhalte des Stücks. Am Anfang scheint alles wie gewohnt: Die reichen Internatsschüler um George, Dick und Co haben einen Fall zu lösen, die üblichen Verdächtigen: Die heimliche Geliebte, der Gärtner, der Poolboy. Dreck am Stecken haben schließlich nicht die rechtschaffenen Kapitalisten an der Spitze der Gesellschaft, sondern die, die verzweifelt nach deren Klunkerzipfel greifen, sie aber nie erreichen. Und genau hier schlägt die „Fünf Freunde“ Version von copy & waste einen anderen Ton an, als das original. Statt diese Machtverhältnisse stumm zu akzeptieren, werden sie explizit genannt und beleuchtet. Und plötzlich befinden wir uns nicht mehr in einem britischen Kinderbuch, sondern wandern von der Geschichte der Großindustriellen Ruhrbarone, weiter zur deutschen Kolonialgeschichte nach Uhlenhorst in Namibia.

Und: Noch etwas ist anders, als in Blytons Original: Die Freude an diesem Hörspiel liegt weniger darin, zu rätseln, wer am Ende das Verbrechen begangen hat, sondern vielmehr darin, all die vielen Wortspiele herauszuhören, zu wenden und zu drehen. Gelöst wird am Ende aber eine ganz andere Frage: Ja, unsere Eltern hatten Recht: Von zu vielen Süßigkeiten bekommt man Bauchschmerzen. Überfluss ist vielleicht gar nicht immer so erstrebenswert. 

Im Anschluss:

5.7. Ringlokschuppen, Mülheim

Pupkulies & Rebecca

Gefühlvoll reiht Janosch Blaul minimalistische Elektrosounds aneinander, auf die Rebecca Hannah Gropps weiche warme Stimme Poptexte haucht. Seit 2005 geht das Berliner Duo, das auf diese Weise Clubmusik und Chanson mischt, sowohl privat als auch musikalisch gemeinsame Wege. Der gekonnte Aufbau der Melodien von Blaul macht die Lieder gerade noch tanzbar, die verträumten Untertöne laden aber auch [mehr...]


Kommentare

  1. von Buschbart 09.09.13 (12:37 Uhr)

    @Bebo Vielleicht einer der berühmten Geisterbänder Fünf Freunde auf der verbotenen Insel, Fünf Freunde und der blaue Diamant oder das unveröffentlichte Manuskript Fünf Freunde geraten ins Abenteuer das genauso herumspukt. (Hintergrund steht in der Wikipedia.) Also wohl ein vierter Geisterband. *grins*

  2. von BeBo 01.08.13 (15:31 Uhr)

    Was hat das nun mit Blyton zu tun?

Kommentar hinzufügen

* Pflichtfeld