Ein Herzschlag für Bochum

GMD Steven Sloane

Trotz aller zum Teil nachvollziehbaren Kritik am geplanten Bochumer Musikzentrum gilt dessen Realisierung als so gut wie sicher. In einem Gastkommentar betont Steven Sloane, Generalmusikdirektor der Bochumer Symphoniker, die Bedeutung und Vorteile des Hauses für die Stadt und ihre Bürger.

 

Am Anfang war es der Wunsch des Orchesters, unterstützt durch den Freundeskreis und einzelne Bochumer Bürger. Die wurden mehr und mehr, und ihre Begeisterung, ihr bürgerschaftliches Engagement und ihre guten Argumente überzeugten die Bochumer Politik, die Bezirks- und die Landesregierung und schließlich sogar die zuständige Vergabestelle für Fördermittel der Europäischen Union. Mit diesen starken Unterstützern an einem Tisch konnte der Traum von einem Haus der Musik für Bochum schließlich Realität werden.

Warum sich trotz angespannter Zeiten alle Beteiligten für das Projekt begeistern konnten, hat einen guten Grund, denn das Musikzentrum Bochum wird vieles sein, eines aber sicher nicht: ein abgehobener Musentempel für einen eng abgezirkelten Besucherkreis. Anders als etwa in den Nachbarstädten werden hier auch nicht in erster Linie Gastspiele und Tournee-Produktionen zu hören sein, die Bochumer selbst füllen das Haus mit Leben: Die über 100 Mitarbeiter und Musiker der Bochumer Symphoniker werden hier arbeiten, proben und auftreten, das Jugendsinfonieorchester wird hier ebenso seine Heimat finden wie die vielen anderen Ensembles der Musikschule oder die Bochumer Chöre, die nun endlich einen angemessenen Ort für ihre Auftritte haben – in einer offenen Atmosphäre, unter professionellen Auftrittsbedingungen, mit einer adäquaten Akustik.

Rund 25 000 Bochumer haben sich für diese Idee eingesetzt und gespendet, und jeder einzelne hat durch seine Unterstützung erst möglich gemacht, dass jetzt „unser“ Haus entsteht. Unser aller Traum ist, dass das Musikzentrum vor kreativer Energie vibriert: Foyer, Konzertsaal und kleiner Saal sollen sich auch jenseits der Konzerttermine zum Treffpunkt für kulturbegeisterte Menschen jeden Alters entwickeln, die einen Blick hinter die Kulissen wagen oder in Proben reinhören möchten, an Diskussionsveranstaltungen, Lesungen oder Performances teilnehmen, sich selbst an unterschiedlichen Instrumenten oder gar als Komponist versuchen – viele Ideen werden hier einen Raum finden.

Alle möglichen Veranstaltungen für alle möglichen musikalischen Interessen werden das Haus im Herzen der Stadt lebendig und bunt gestalten – als kreativen Impuls für das städtische Leben.

Darauf bin ich besonders stolz: dass es uns gemeinsam gelungen ist, einen Ort zu ermöglichen, an dem sich die Vielfalt des Musiklebens Bochums endlich nicht mehr verstreut und in Provisorien, sondern an einem Ort in all ihrer Qualität und mit all ihren Klangfarben zeigen kann. Ich bin sicher: Das Musikzentrum wird nicht nur eine Heimat für die Bochumer Symphoniker sein, sondern vielmehr eine musikalische Heimat für alle Bochumer, ein neuer Herzschlag für unsere Stadt.

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