StadtLesen: Open-Air-Lesezimmer in Gelsenkirchens Innenstadt

Auch der Heinrich-König-Platz verwandelt sich in ein großes Open-Air-Lesezimmer. | Foto: © Innovationswerkstatt

Schöner kann eine Auszeit vom hektischen Alltag doch kaum sein. Einfach ganz entspannt ein paar Stündchen in einem guten Buch schmökern. Das geht vortrefflich auf dem eigenen Sofa, aber auch Open-Air in der Gelsenkirchener Innenstadt. Zumindest vom 18. bis zum 21. Mai. Dann breitet sich das Kunst- und Kulturprojekt StadtLesen auf dem Heinrich-König-Platz aus.

Von 225 nominierten Städten ist Gelsenkirchen eine von 26 StadtLese-Städten, in denen das entschleunigende Projekt Station macht. Ganz ohne Pomp. Ohne viel Aufsehen. Dafür mit ganz viel Büchern. Seit neun Jahren tourt Sebastian Mettler mit StadtLesen durch Mitteleuropa und wählt seine Bücher aus einem riesigen Fundus aus. Auf 12.514 Schmöker kann er zugreifen und bringt 3000 mit nach Gelsenkirchen – alles aktuelle Werke. Krimi, Fantasy, Kinder- und Jugendliteratur, leichte Lektüre, schwere Kost, Bestseller und Co: Es ist für fast jeden Geschmack was dabei.

Nicht nur die Auswahl an Büchern stimmt, sondern auch die Location. Mettler hat ordentlich Verweil-Qualität geschaffen. Mehr als 100 Sitzmöglichkeiten laden zum Pausieren und Lesen ein, sei es Sitzsack, Hängematte, Hocker oder Stuhl. Platz für die Bücher gibt es natürlich auch: Große Büchertürme ragen auf dem Heinrich-König-Platz in den Himmel und bieten den Büchern ein Dach über dem Kopf.

StadtLesen kommt zwar ohne viel Rummel aus, aber etwas Programm gibt es dann doch. Um 9 Uhr geht es am Donnerstag los, die erste Lesung gibt es zehn Stunden später um 19 Uhr. Peter Lohmeyer liest Passagen aus Friedrich Christian Delius' autobiografischer Erzählung „Der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde“. Am Freitag, dem Integrationslesetag, sollen Bürger mit Migrationshintergrund selbstverfasste Texte in ihrer Muttersprache vortragen. Der Sonntag steht im Zeichen der Kinder- und Jugendliteratur.

Und warum das alles? „Wir haben mit dem Leseförderprojekt eine Therapie gegen die Entphantasierung der Gesellschaft geschaffen: Lesend eine neue Welt im Kopf erleben“, sagt Sebastian Mettler. SeRi