Brosamen und Spiele: Mut und Wahnwitz beim Fringe-Festival

„König Ubu on the table“ | Foto: Ruhrfestspiele

Beim Fringe-Festival sind selten Stücke die Stars. Oft sind sie unverständlich, die Darsteller kaum mal Fachkräften bekannt, die Aufführungsorte gerade Szenekennern ein Begriff. Die große Strahlkraft dagegen haben die Aufführungen selbst, und weil man hier als Publikum stets auch ein wenig Teil des Ganzen ist, fällt immer auch ein wenig Glitter auf die Zuschauer.

Und das lässt sich belegen: Wen lockte schon an einem späten Maienabend die Geschichte eines polnischen Königsmörders ins Theater, unsinnigerweise auch noch auf englisch dargeboten. In einem Etablissement mit dem für ortsfremde Besucher geradezu piefig klingenden Namen „Ratskeller“ (23.-27.5.)? Doch wenn dann Alfred Jarry DaDa-Darreichung „König Ubu on the table“ ebendort aufgeführt wird, wenn Messer und Gabel, Brotlaibe und Pfefferstreuer das dramatische Personal verkörpern, dann war bei der Konzeption dieser Schnappsidee wahrscheinlich weniger Alkohol im Spiel als bei der Aufführung Spiellaune, Wahnsinn und Esprit. Und davon kriegt rund um die Bühne wahrscheinlich auch der Zuschauer noch etwas ab – in Form von Brosamen von der Bühne und Pilsbier vom Tresen.

Das kanadische „Théâtre de la pire espèce“ mag eine Randerscheinung der Theaterszene sein, reichlich Off und ein Fransen am großen Teppich der Weltkultur – für das Fransen-, pardon, Fringe-Festival der Ruhrfestspiele ist es ein Volltreffer. Einer von vielen, wenn man das Programm betrachtet. Gerade noch bei Schnitzlers „Fräulein Else“ und „Brechts „... Frau Carrar“ (auf dem Schulbauernhof!) und E. A. Poes Gedichten (in Dameinbesetzung) ist auf den ersten Blick sowas wie ein Dramatiker auszumachen, bei der Mehrheit der Aufführungen im Fringezelt und anderswo standen schlicht Mut und Wahnwitz Pate. Dem sollte man als Publikum in nichts nachstehen! A.L.