Komisches unter Verdacht: Interview mit Heinz Strunk

Heiz Strunk | Foto: Dennis Dirksen

Heinz Strunk ist wieder da. Nach dem „Goldenen Handschuh“ kommt mit „Jürgen“ ein alter Bekannter aufs Parkett. Und der ist auf Frauensuche. Tom Thelen sprach mit dem Autor über Missverständnisse und Weiterentwicklungen und Massentauglichkeit.

Offenbar kennen viel mehr Menschen als gedacht die Hauptfigur des Romans, Jürgen Dose, aus alten Texten?!

Ja, es gibt Jürgen Dose schon sehr lange, ich habe die Figur aber seit vielen Jahren immer weiter entwickelt. Es ist seltsam. Gefühlt hatte sich aber das Hörspiel „Trittschall im Kriechkeller“ 300 Mal verkauft. Ich hatte gedacht, dass vielleicht 5-10 Prozent das überhaupt wiedererkennen würden. Und sich wiederum vielleicht 5-10 Prozent daran stören würden. Das nächste Buch ist dann wieder literarischer, eine Erzählband, so eher in Richtung Botho Strauß.

Jürgen ist im Buch auf Frauensuche. Wie sähe denn überhaupt eine Frau aus für so einen Typen?

Es müsste eine sanftmütige Person sein, so wie er, die nicht die Stellvertreterrolle der Mutter übernehmen sollte, äußerlich unspektakulär. Es gibt da die Redensart vom Topf und dem darauf passenden Deckel. Eine Frau in derselben Situation wie er, ein spätes Mädchen, die einen zuverlässigen Typen sucht. 

Heinz Strunk ist mit "Jürgen" auf Lese-Tour. | Cover: Rowohlt

Könnte ihr Jürgen nicht Tinder nutzen?

Nee, der hätte viel zu viel Angst weggewischt zu werden. Außerdem ist der noch nicht so drauf, der hat vielleicht ein altes Nokia, der geht ja auch noch Bücher im Buchhandel kaufen.

Sie machen sich sehr ausgiebig und unterhaltsam über die Ratgeber-Literatur in Sachen Partnersuche und - findung lustig. Könnten Sie nicht besser selber etwas dazu auf den Markt bringen?

Meine Kolumne „Das Strunk-Prinzip“ in der Titanic spielt ja schon formal damit. Aber ich kann da auch nicht helfen, es gibt, soweit ich weiß, keine zuverlässigen Ratgeber, die immer helfen.

Heinz Strunk wird nun massentauglich, jeder kennt Sie, muss man da mehr aufpassen, was man schreibt und sagt?

Ich bin nicht bekannt. Ich finde zum Beispiel im Boulevard gar nicht statt. Null. Ich stehe nicht in der Gala oder in der Bild. In einer Fußgängerzone in Osnabrück erkennt mich niemand. Ich arbeite immer noch in einer Nische mit meinem Humor.

Auch jemand wie der Mülheimer Helge Schneider zeichnete sich durch einen seltsamen Humor aus, durch „Katzenklo“ wurde da auch vieles anders und für ihn nicht unproblematisch.

Ich mag Helge Schneider und seinen Humor. Absurd, albern, bizarr. Aber er hat sich dem ganzen Betrieb auch nie verweigert, ging in Talk-Shows und so. Jetzt kennen ihn 90 Prozent der Menschen. Mich vielleicht 5 Prozent, wenn überhaupt.

Der „Handschuh“ wird verfilmt, „Jürgen“ ist ein Buch, ein Hörbuch, dazu ist ein Album erschienen, ein Film folgt. Heinz Strunk auf allen Kanälen?

Zum „Handschuh“ gibt es jetzt sogar einen Comic. Ich verweigere mich da nicht, bin ganz pragmatisch. Wenn es gut gemacht ist, warum sollte man das nicht verwerten?

Was erwartet uns auf der Jürgen-Tour live?

Natürlich die Lesung aus dem Buch, dazu sechs Musiktitel aus dem Album und eine Dia-Show mit 90 Bildern von der Polen-Reise.