Festival der Extreme: Mülheimer Stücke Theatertage

Anne Lepper zeigt „Mädchen in Not“ | Foto: Christian Kleiner

Autoren, Regisseure, Intendanten, Verleger und mittlerweile auch Übersetzer aus vielen Ländern – die Mülheimer Stücketage sind das jährliche Klassentreffen der Theaterszene. Der normale Theaterbesucher mischt sich unters Fachpersonal und wird bei den Publikumsgesprächen und der Jurydebatte um den Dramatikerpreis mit Insiderwissen belohnt.

Worum geht`s 2017? Viele Texte reagieren auf gesellschaftspolitische Extreme, formal oft satirisch überspitzt. Unter den sieben auserwählten Autoren sind vier zum ersten Mal in Mülheim dabei. Ferdinand Schmalz erschafft in „der thermale widerstand“ einen Wellnesstempel für Burnout-Geplagte, Elfriede Jelinek reagiert mit „Wut“ auf die Terroranschläge in Paris. Milo Raus Text „Empire“ greift auf die Exil-Biografien seiner vier Schauspieler zurück und verdichtet das Ganze zu einem dokumentarischen Theaterabend. Der renommierte Theater- und Filmregisseur ist damit ganz am Puls der Zeit.

Eine spezielle Spielart der Vertreibung des Menschen aus dem Paradies zeigt die Berliner Autorin Olga Bach. Urbane Bewohner in einer Scheinidylle, zerrieben zwischen Natur und Kultur werden in dem Stück „Vernichtung“ zu einem Gesamtorganismus: Durch die Camouflage-Kostümierung verschmelzen die Darsteller mit der Szenerie. Clemens J. Setz seziert in „Vereinte Nationen“ den Mikrokosmos Kleinfamilie, während sich Konstantin Küspert in „europa verteidigen“ mit struktureller Gewalt im Staatensystem Europa beschäftigt. Auch wenn es bei den Stücketagen vorrangig um das geschriebene Wort geht, verführen die eingeladenen Inszenierungen mit stark verfremdeten Bildern: Puppenhafte Masken bebildern Anne Leppers „Mädchen in Not“ in der Inszenierung von Dominic Friedel des Mannheimer Nationaltheaters. Ein Grund mehr, den Besuch in Mülheim einzuplanen. enaira

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13.5.-3.6., Theatersaal, Mülheim

42. Mülheimer Theatertage: Das sind die Stücke

Jetzt stehen sie fest: die nominierten Stücke der 42. Mülheimer Theatertage. Mit satten 15.000 Euro ist der Dramatikerpreis dotiert. Sieben Stücke schicken sich an, das Geld zu kassieren. Etwas weniger gibt es bei den KinderStücken – sowohl Geld, als auch Nominierte. Fünf Stücke sind nominiert, 10.000 Euro sind ausgelobt. [mehr...]