Raum für Selbsterkenntnis: 27. Shakespeare Festival

Im Schottenrock: „Macbeth, die Komödie“ | Foto: Susana Chico

Keine Werke werden so häufig auf deutschsprachigen Bühnen gespielt wie die von William Shakespeare. Auch Neuss steht ab dem 9. Juni wieder ganz im Zeichen des großen Dramatikers. Ganze 33 Veranstaltungen zaubert das 27. Shakespeare Festival aus dem Hut.

Das Theater bietet die Möglichkeit zur Selbsterkenntnis. Diese Tatsache betonte der Neusser Kulturreferent und künstlerische Leiter des Shakespeare Festivals Rainer Wiertz im Rahmen der Programmvorstellung ausdrücklich: „Nicht umsonst haben wir noch nie gehört, dass Herr Trump oder Herr Erdogan ins Theater gehen.“ Die Themen, die die einmonatige Veranstaltung im Neusser Globe abklopft, wären für die beiden Staatsmänner durchaus empfehlenswert. Kulturfragen stellt das Festival genauso wie jene nach der eigenen Religion.

Den Anfang macht am 9. Juni die Kompanie Shakespeare at the Tobacco Factory aus Bristol. In ihrer Version von „Othello“ geht es vor allem darum, wieso der Hauptcharakter, „dieser zum Christentum konvertierte Moslem“, so Wiertz, ein Outcast in der Gesellschaft ist. Die Deutschlandpremiere rund um den eifersüchtelnden Hitzkopf ist in englischer Sprache zu sehen. Wie für alle Vorstellungen gilt: Deutschsprachige Erläuterungen liegen bereit. Diese erweisen sich auch für die Inszenierung von „Macbeth“ am 19. und 20. Juni von Vorteil. Das Tang Shu-Wing Theatre Studio aus Hongkong bringt das Stück in kantonesischer Sprache mit englischen Untertiteln auf die Bühne. Mit großen Bildern begeben sich Macbeth und seine Lady als Paar von heute im Traum auf eine Zeitreise durch ein längst vergangenes China.

Weniger dramatisch wird die Geschichte um den Heerführer und Tyrannen am 24. und 25. Juni erzählt. Dann nämlich nimmt sich die Companhia do Chapitô aus Lissabon dem Stoff unter dem Titel „Macbeth, die Komödie“ an. Was auf der Bühne passiert, ist purer Slapstick und, nach Angaben des künstlerischen Leiters, „völlig verrückt“. Nicht weniger verrückt und modern gestalten sich die zwei Abende (5.+6.7.) mit „Pony Camp: Troilus & Cresseda“. Während ein Sprecher die Liebesgeschichte zu Zeiten des trojanischen Krieges erzählt, wagen die Kämpfer ein Tänzchen und die schöne Helena winkt elegant und stoisch von einem Sofa herunter. NaB

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