This Is Not Detroit: Ein kleiner Rundgang

One Man Sauna | Alle Fotos: Lukas Vering

Das Detroit-Projekt steckt mitten in seinem Sommerfestival und wir sind ausgezogen, um ein paar der Aktionen und Kunstwerke auszutesten. Dabei stießen wir auf Beton, Blumen und jede Menge Stoff zum Nachdenken.

One Man Sauna

Lange Zeit war das Projekt mit dem Titel “One Man Sauna” irgendwie ein Mysterium. Vor allem die Frage, ob das wirklich eine Sauna irgendwo in der Stadtperipherie sein soll und, wie das Gerät denn bitte funktionieren soll, gab Rätsel auf. Am 17. Mai wurde der Stapel aus Betonklötzen nun eröffnet und die ersten Besucher konnten einen Blick hineinwerfen. Und siehe da: Da ist ne Sauna drin.

Kurz zur Theorie: Die One Man Sauna soll ein Ort des Nichtstun sein und somit die Beschaffenheit und Funktion der ungenutzten Grenzräume einer Stadt reflektieren. Sie ist ein 7,5 Meter hoher Turm aus gestapelten Betonfertigteilen, aus denen sonst Schachtanlagen gebaut werden.

Und in der Praxis? Man klettert über eingeschlagene Leitersprossen erst einmal auf die mittlere Ebene. Nachdem der Einstieg wieder geschlossen wurde, kann man sich der Kleidung im Zwischenraum entledigen und durch eine Holztür die kleine Saunakammer betreten. Nach dem Saunieren steigt man innerhalb des Turms wieder eine Leiter hinab, zur Abkühlung in ein Tauchbecken. Anschließend geht es ganz nach oben, auf eine Holzliege über der sich ein Fenster befindet, das sich nach Belieben öffnen lässt. Mit Blick in den Himmel und in der ungewohnten Stille der Peripherie kann man schon mal nachdenklich werden.

Das Betonmonument ist tatsächlich beeindruckend und schon allein der Weg dorthin, durch Industriebrache und Birkenhaine, ein kleines Abenteuer.

17.5. bis 5.7., Sa+So 16-21 Uhr, Industriebrache hinter Bessemer Straße 30 (hinter der Feuerwehr in Ehrenfeld), kostenlos. Anmeldung per Mail unter tickets@schauspielhausbochum.de


Links: Der Einstieg von außen. Rechts: Innenansicht der One Man Sauna. Oben: Aussicht zwischen Betonteilen.

Shoot Out

Hinter der Installation Shoot Out verbirgt sich mehr, als man auf den ersten Blick glaubt. Im Vorraum des ehemaligen Ladenlokals in der Essener Straße 47 sieht man fünf großformatige Fotoarbeiten. Ein Text informiert, dass es sich dabei um ein „auf allen Ebenen drastisch“ gescheitertes Projekt handelt, in dem Ciceros Überlebensformen in einer geldlosen Gesellschaft dargestellt werden sollen. Von Ex-Opelanern. Im Hinterraum läuft das Making-Of. Man sieht den Fotografen, die engagierte Kunstpädagogin und die Arbeitslosen am Set.

Die gesamte Installation ist als Puzzlespiel zu verstehen, bei dem man ein Teil nach dem anderen zusammensetzt. Und der Film ist definitiv das Teil, dass den Groschen fallen lässt. Aber am besten einfach selber hingehen.

1.5. bis 5.7., Fr 17-21, Sa-So 15-21, Essener Straße 47. Eintritt Frei

Der Keller

Den Keller zu finden, ist erstmal wie eine kleine Schnitzeljagd. Folgt man aber vom Parkplatz der Zeche Bochum den Detroit-Plakaten, findet sich schnell die charmant aufgezeichnete Wegbeschreibung, die schließlich in einen Hinterhof führt, von dem aus man in die Gewölbe unter dem Zechengebäude gelangt. Dort ein bisschen durchs Labyrinth und schließlich zur Installation des Künstlers Robert Kuśmirowski. Der gilt als Fälscher und Manipulator - Von Realität. Hier im Keller findet sich eine eingestaubte, leicht gruselige Kulisse, die an Bergbau, Labor und Serienmörderversteck erinnert. Kleine Suchaufgabe: Wer findet die versteckte Leiche?

10.5. - 5.7. Sa+So 14-19, Zeche 1, Prinz Regent Straße 50-60. 5€

Im Keller

Grüne Bühne & Wandelwerk

Am Schauspielhaus Bochum wartet ein mobiler Garten darauf gepflegt, gedüngt, gewässert und vor allem angeschaut zu werden. Zudem laden Sitzgelegenheiten dazu ein, mal ein bisschen in der Sonne zu entspannen. Schön zwischen Blümchen und Kräutern. Und dem Wandelwerk. Inmitten des mobilen Gartens steht nämlich auch der inzwischen vergoldete Detroit-Container. Im Inneren geht es um Wandel und Transformation, man kann lesen, hören und anschauen.

Am Schauspielhaus Bochum. Täglich, kostenlos.

How Love Could Be

Die Inschrift auf dem Förderturm des Bergbaumuseums dürfte wohl schon jedem aufgefallen sein. Vor allem in der Abenddämmerung und bei Nacht, wenn die Buchstaben vor dunklem Hintergrund rot glühen, entfaltet der eigentlich so simple Satz seine Magie. Was man darin sieht und wie man den Satz versteht, darf jeder gerne selbst entscheiden.

Am Bergbaumuseum Bochum, täglich, kostenlos

Foto: Lisa Sänger

Karte & Programm

Für alle Aktionen und Projekte schnappt ihr euch am Besten ein Programmheftchen oder besucht schauspielhausbochum.de/spielplan/das-detroit-projekt

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26.4. Bergbaumuseum, Bochum (Eröffnung des Sommerfestivals)

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