NRW-Theatertreffen 2014: Digitales und Fleisch

Szene aus The Smartphone Project | Foto: Mischa Lorenz

Wir freuen uns, das NRW-Theatertreffen als eines der spannendsten Events des Jahres zu uns nach Dortmund zu holen“, leitete Schauspiel-Dramaturg Thorsten Bihegue die Programmvorstellung für das Festival ein. Zehn herausragende Wettbewerbsinszenierungen – laut Bihegue: „eine mehr als in den letzten Jahren“ – werden in der ereignisreichen Woche vom 13. bis 20. Juni präsentiert.

Eine Fachjury, besetzt mit Daniel Hengst, Stefan Keim, Felizitas Kleine, Thomas Lang, Wolfram Lotz und Sascha Westphal, sowie der Jugendjury und dem Publikum bewerten die Inszenierungen und prämieren anschließend die besten Stücke des Jahres. Das reichhaltige Rahmenprogramm trägt das Motto „Theater und Virtualität“ und beschäftight sich u. a. mit der Frage, wie die Zukunft des Theaters aussehen wird und welche Parameter sich ändern. Zu jeder Wettbewerbsinszenierung wird es zudem ein Einführungs- und ein Nachgespräch mit dem Regisseur und einigen Darstellern geben.

Es sei immer wieder spannend, wie man das Bühnenbild einer Inszenierung abwandeln muss, um diese dann im Schauspiel Dortmund präsentieren zu können, so Thorsten Bihegue weiter. Aus diesem Grund mussten sich Intendant Kay Voges und er bei der Festival-Auswahl im Vorfeld von so einigen bemerkenswerten Inszenierungen traurigerweise verabschieden, da sie den Rahmen der technischen Möglichkeiten des Dortmunder Hauses sprengen. Simon Stones „Die Orestie“ zum Beispiel ist in Dortmund nicht zeigbar, da derzeit der Schnürboden kaputt ist. Deswegen wird es extra ein Shuttle-Service zur Verfügung stehen, um die Zuschauer nach Oberhausen zu bringen.

Oberhausen hilft aus

Besonders aufregend könnte die vom Kollektiv Anna Kpok inszenierte Idee „Und der letzte Zombie: Level III“ sein, bei der eine Gruppe aus fünf Zuschauern die Möglichkeit hat, einen Schauspieler live quer durchs Schauspiel Dortmund zu steuern. Das Ganze lässt sich wie ein Spiel auf der Playstation vorstellen. Die Zuschauer stellen in dem Fall den Controller dar, sodass jeder der fünf eine Funktion zugeteilt bekommt wie zum Beispiel eine Pfeiltaste, deren Drücken die Schauspieler zum Springen oder Rennen bringt.

Ein weiteres Highlight ist „The Smartphone Project“ von Fabien Prioville. Bei dessen Projekt ist der Smartphone-Gebrauch ausdrücklich erlaubt. Vor der Show wird das Publikum gebeten, eine App herunterzuladen, die speziell für das Event entworfen worden ist, um mit den Schauspielern auf der Bühne kommunizieren, bzw. sie sogar „zu manipulieren“. Es kommt zu „einem Zusammenstoß von Digitalem und Fleisch“, kündigt Kay Voges an.

Theater 2.0 mit Playstation und Smartphone

Neben den Stücken im Wettbewerb, Hausinszenierungen und Gastspielen aus der Jugendtheater-Szene bietet das Festival zudem ein halbes Dutzend Workshops in der Jungen Oper, ein Film-, Konzerte- und Partyprogramm und den vom Verein „Die Urbanisten“ speziell dekorierten Vorplatz des Schauspiels zum Verweilen an. Aus recyceltem Material werden dort gemeinsam Strandkörbe oder bepflanzbare Stühle angefertigt, die den Außenbereich in einen virtuellen Strand verwandeln.

Und damit das Publikum zwischen all den Inszenierungen, Panels, Konzerten und Performances im Zweifel auch kein Fußballspiel verpasst und nicht, wie Kay Voges es nett formuliert, in ein „Informationsloch“ gerät, widmen die Veranstalter ihr „Institut“ kurzerhand in ein WM-Studio mit Leinwand um.

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