Meret Becker: „Ein bisschen wie ein Zaubertrick“

Meret Becker

Meret Becker hat sich in Deutschland vor allem als Kinoschauspielerin einen Namen gemacht. Doch ihre große Liebe galt immer der Musik. Im Mai stellt sie ihr vom Bluegrass inspiriertes Album mit unglücklichen Liebesliedern bei den Ruhrfestspielen vor und gedenkt zusammen mit Bruder Ben Becker ihrem verstorbenen Stiefvater Otto Sander.

Da liegt sie also, direkt neben ihr auf dem Sofa: die berühmte Singende Säge. Eigentlich wäre es besser, wenn die erkältete Meret Becker heute gar nicht sprechen würde, denn die hustende Schauspielerin und Sängerin steckt mitten den Proben zu ihrer anstehenden Tour. Doch sie muss reden. An der Wand hängt das Plakat zu ihren anstehenden Konzerten, für die sie heute wirbt.

Meret Becker hat zusammen mit dem Musiker Buddy Sacher ein Album aufgenommen. Ein ganz persönliches. Klingt wie eine übliche Musikerphrase, wird von ihr aber glaubhaft untermauert. Becker nennt die Platte mit dem eigenwilligen Titel „Deins & Done“ ihr „Singer-Songwriter“-Album, für das sie selbstgeschriebene Lieder zum Thema „unglückliche Liebe“ aus den vergangenen zwölf Jahren zusammengestellt hat. „Ich hätte nie gedacht, dass ich sie mal öffentlich spielen würde, denn ich fand sie eigentlich viel zu intim“, gibt sie fast entschuldigend zu. „Aber genau das mag ich am Country und Bluegrass: Da geht es um schlichte, also ehrliche und persönliche Themen.“

Die singende Säge

Der breiten Öffentlichkeit ist Meret Becker als Kinoschauspielerin ein Begriff. Ihren Durchbruch hatte sie in der Sönke-Wortmann-Komödie „Kleine Haie“. Darin konnte man sie auch erstmals auf der Singenden Säge spielen hören. Seitdem ihr Markenzeichen. Während ihre Schauspielkarriere mit Filmen wie „Rossini“ oder „Comedian Harmonists“ voranschritt, widmete sich Becker zwar kontinuierlich ihrer großen Liebe zur Musik, vor den kommenden Konzerten ist sie aber trotzdem nervös: „Meine Konzerte schwankten sonst eher zwischen Chanson und Soundcollagen“, erklärt sie mit zerbrechlicher Stimme und fügt hinzu: „Ich kann nicht wirklich Gitarre spielen, deswegen ist es eine große Herausforderung, dies nun vor Publikum zu machen. Ich hatte früher auch nie den Ehrgeiz, mich selbst am Klavier zu begleiten. Lieber habe ich vorne performt und das Spielen jemand anderen machen lassen, der das auch anständig kann – jetzt spiele ich alles selbst.“

Klimbim

Im Rahmen ihrer Tour mit den in englischer und deutscher Sprache verfassten Liedern macht Becker an drei aufeinanderfolgenden Tagen bei den Ruhrfestspielen Halt. Dabei freute sich das Duo zunächst über die praktische Seite ihres neuen Projekts: „Mein Duett-Partner Buddy Sacher und ich fanden es einfach nur geil, dass wir zusammen mit unserem Equipment in einen PKW gepasst haben. Was uns vorher nie passiert ist, weil wir sonst immer so viel Zeug dabei haben: Glasharfen, mehrere Gitarren, Saxofone und lauter Klimbim.“

Was nicht heißt, dass sie dieses Mal keinen „Klimbim“ dabei hätte, denn gerade die Klangerzeugung mit ungewöhnlichen Instrumenten und Gegenständen machen die Konzerte Beckers seit jeher aus. „Das passiert auf jeden Fall“, bestätigt sie. „Buddy und ich sind zwar nur zu zweit, der Sound ist im Grunde sehr minimalistisch, aber wenn man die Augen schließt, klingt er sehr vielschichtig. Das ist ein bisschen wie ein Zaubertrick. Einer, den das Publikum sogar durchschaut und der trotzdem wirkt, weil er die Phantasie anregt.“ Dass nun im Vorfeld ihrer Tour zunächst nur die Single „Snowflakes For Breakfast“ erscheint und die Platte erst im Herbst, findet sie „eigentlich ganz cool. Das ist fast ein bisschen poppig.“

Von der Bühne zum Tatort

An der Verzögerung sei aber auch der Tod ihres Stiefvaters Otto Sander Schuld gewesen, erklärt Becker. Der im Herbst 2013 verstorbene Theaterschauspieler ist auch der Grund, warum Meret zusammen mit Bruder Ben eine Woche nach ihren Musik-Gastspielen erneut nach Recklinghausen kommt. Im von Ulrich Waller initiierten „Abend für Otto Sander“ lesen sie Auszüge aus Sanders Programmen und bringen Gedichte und Anekdoten ein. „Wir wollen ihn damit unter den Lebenden wissen.“

Nach den persönlichen Projekten steht für die Schauspielerin Becker ab 2015 eine deutschlandweit beachtete Paraderolle ins Haus – sie wird „Tatort“-Kommissarin. Sie freue sich auf die Rolle, auch wenn sie anfangs skeptisch gewesen sei: „Den Gedanken, jetzt zu einer ‚Fernsehtante’ zu mutieren, fand ich anfangs zwiespältig. Aber die Rolle ist wirklich schön und repräsentiert einen Frauentyp, durch den ich Berlin gerne verkörpert sehe.“ Zudem biete ihr der Job noch weitere Vorteile: „Die Rolle nimmt einen sehr geringen Teil meines Jahres in Anspruch und lässt viel Raum für die Musik und Kino.“

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13.5. - 7.6. Recklinghausen

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