Fidena: Befreiung der Kunst

Russische Performer mit Bart | Foto: Vladimir Telegin

Die Freiheit der Kunst hochzuhalten, das hat sich dieses Jahr das Festival Fidena – Figurentheater der Nationen zur Aufgabe gemacht. „Das mag für manche nach einer Plattitüde klingen oder wie ein ganz alter Hut“, sagt Leiterin Annette Dabs. Doch in Zeiten, wo Künstler vor allem unter Marktaspekten gehandelt werden, findet sie es ungemein wichtig, „wenn Künstler einmal nicht erst erklären müssen, warum sie wertvolle Mitglieder der Gesellschaft sind“.

„Seit der Finanz- und Wirtschaftskrise ist die Kunst in eine neue Rolle gedrängt worden“, erklärt Annette Dabs: Geld sei vor allem für Kreativ-Industrie oder kulturelle Bildung – zum Beispiel Education-Projekte – vorhanden. Festivals werden gefördert, weil sie nachhaltig ins urbane Umfeld wirken, also quasi Stadtentwicklung betreiben sollen. Aber die Kunst um der Kunst willen, dafür scheint die Berechtigung zu fehlen. Es ist also ein mutiger Schritt, wenn die Fidena-Macher nach dem Schiller-Zitat „Schönheit ist Freiheit in der Erscheinung“ handeln. Indem sie ihren Künstlern alle Freiheiten einräumen, soll die schönste Fidena in der über 50-jährigen Geschichte entstehen.

Stärker als zuvor hat Annette Dabs nach Produktionen gesucht, die für die Verbindung von bildender und darstellender Kunst stehen. Sie hat Aufträge vergeben und kann stolz fünf Uraufführungen präsentieren. Daneben werden auf den Bühnen in Bochum, Essen und Herne sechs deutsche Erstaufführungen zu erleben sein.

Peitsche und Magnet

Gleich zwei Auftragsproduktionen gingen an die renommierte belgische Needcompany, die in der Region zuletzt bei der Ruhrtriennale („Marketplace 76“) oder auf PACT Zollverein zu erleben war. Im ersten Teil ihres Abends in den Bochumer Kammerspielen tritt Needcompany-Gründer Jan Lauwers in einen Austausch mit dem jüngeren Mitglied Maarten Seghers. „Zwei Generationen tanzen einen bizarren, dadaistischen, anrührenden Diskurs um Kunst und das Sprechen über Kunst. Unser Festival-Highlight“, schreiben die Fidena-Macher im Programmheft. Und Annette Dabs ergänzt, dass Jan Lauwers das Künststück vollbringen wird, am Abend die Grenze zwischen der flüchtigen Theaterkunst und der bleibenden Kunst etwa des Museums auszuhebeln.

Trailer zur Fidena 2014

Szene aus Miet Warlops „Mystery Magnet“. Foto: Reinout Hiel

Für einen kurzen, knackigen und schrillen Appetithappen zur Eröffnung sorgt der neue Liebling der belgischen Performance-Szene Miet Warlop, die ebenfalls im Schauspielhaus Bochum zu sehen ist: „Mystery Magnet“ ist eine Materialschlacht in Action-Painting-Stil. Weitere Tipps der Festivalleiterin sind die skurrilen, bärtigen, russischen Performer AKHE, die in „Gobo. Digital Glossary“ überbordend fantasievollen Bilder auf PACT Zollverein zeigen, oder Boukje Schweigman, die in der ehemaligen Bochumer Spielfabrik Klang, Rhythmus und Kraft der Peitsche erfahren lässt.

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16.-24.5. versch. Orte, Bochum

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