Ender und Kolosko: Die wundersame Erweckung

Nina Ender & Stefan Kolosko

Erste Regel für Journalisten: Führe niemals – wirklich niemals! – ein Telefon-Interview mit zwei Personen gleichzeitig. In diesem Fall sind es die Autorin Nina Ender und der Schauspieler Stefan Kolosko. Vielleicht wäre es mit weniger begeisterten und von Ideen sprühenden Charakteren möglich, mit den beiden Theatermachern, die in Oberhausen das Projekt „Das Zentrum lebt!“ planen, ist es die totale Überforderung. Ein bisschen Entspannung gibt es erst, als sie gemeinsam mitten im Interview anfangen zu singen.

Worum geht es? Ender und Kolosko beschäftigen sich mit Leerständen in der Oberhausener Innenstadt. Das klingt nicht besonders originell, aber bei den beiden ist alles anders. Sie sehen das sieche Zentrum Oberhausens als Vorreiter. Die Läden sind durch Internethandel und Shoppingzentren arbeitslos geworden. Und jetzt können sie eine neue Funktion bekommen. Sie werden wieder zum Ort der Begegnung und des Spiels.

Ender und Kolosko sehen auch das Einkaufen als etwas Spielerisches an. Und sie spielen Einkaufen im wiedererweckten Zentrum. „Das Zentrum lebt!“ sei wie ein überraschter Ausruf nach einer geglückten Herz-Lungen-Massage oder nach einem biblischen Wunder. An diesem Wunder kann jeder mitwirken: Da sollen Familienfeste gefeiert werden, es wird gemeinsam gekocht, das Einkaufen wird als sozialer Akt zelebriert und gespielt – aber man kann auch einfach zuschauen.

Das klingt etwas wirr, aber wenn Ender und Kolosko davon erzählen, will man, dass es sofort losgeht. Ungewöhnlich ist auch, dass mit Nina Ender eine Autorin beteiligt ist. Es geht dem Team nämlich nicht um Theater als soziales Projekt, sondern um das Projekt als gutes Theater – und das braucht einen guten Text, den Ender gewissermaßen live schreibt. Und dann hat das alles auch noch einen kulturpolitischen Aspekt, denn Kolosko ist überzeugt, dass das Theater, das von allen bezahlt wird, auch für alle erreichbar sein muss und sich nicht in seinem Bau verschanzen darf.

Schließlich wird das Gespräch fast noch rührselig, denn Stefan Kolosko hat lange mit Christoph Schlingensief zusammengearbeitet, dessen Heimatstadt Oberhausen ist. Gegenüber der Herz-Jesu-Kirche, in der Schlingensief Messdiener war, werden Ender und Kolosko ein Geschäft bespielen. Für den Schauspieler ist es eine Reise in die Vergangenheit seines Mentors. Dann dreht sich das Gespräch aber wieder ganz schnell in Richtung Zukunft. Die Reanimation der Oberhausener Innenstadt beginnt. Erste Vortreffen finden im Mai – bei freiem Eintritt – statt, das Erweckungswunder startet im Juni.

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