Mayumana: Keine falsche Schüchternheit

| Foto: Nilz Boehme

Einen sicheren Platz gibt es in dieser Show nicht. Egal, ob erste oder dritte Reihe, das suchende Auge der Kamera findet jeden, ruck zuck wird man vom Zuschauer zum Darsteller. Doch keine Angst: „Wir haben in den Jahren ein Gespür dafür entwickelt, wer mitmachen möchte und wer nicht, gezwungen wird hier keiner.“ sagt Boaz Berman mit einem Grinsen. Und was ist, wenn mal keiner mitmachen will? „Dann hätten wir ein Problem. Es gibt aber eigentlich immer jemanden, der gerne im Mittelpunkt steht.“

Eylon (r.) + Boaz (m.) mit Darstellern.

Boaz hat die vielseitige Gruppe 1996 gemeinsam mit Eylon Nuphar in Tel Aviv gegründet. Den beiden Musikern reichte es damals nicht, auf der Bühne nur zu singen und Instrumente zu spielen. Sie wollten tanzen, trommeln, unterhalten - eben alles auf einmal. Also entwickelten sie eine Show, die all dies vereinte. Ein Budget gab es nicht, so dass selbst die grundlegendsten Dinge zur Herausforderung wurden: „Einmal wurden wir sogar verhaftet, weil wir rumgefahren waren und Dinge eingesammelt hatten, die sich als Instrumente eigneten,“ erinnert sich Eylon lachend „wir dachten wirklich, die Leute bräuchten sie nicht mehr,“ fügt Boaz mit einem Zwinkern hinzu. Zu Beginn übten die Beiden kleine Abfolgen, die sie dann vor Freunden aufführten. Die waren immer hellauf begeistert und so erspielten sie sich schnell eine kleine Fangemeinde. Wirklich schwierig war es anfangs jedoch, weitere Künstler für Mayumana zu finden: „Die Leute reagieren nicht besonders positiv, wenn du ihnen vorschlägst, ihren Job aufzugeben, um zwei Jahre lang unbezahlt aufzutreten.“


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Heute gibt es diese Probleme nicht mehr, im Gegenteil: „Es haben sich auch schon bekannte Stars bei uns beworben, wir haben aber abgelehnt. Mayumana ist ein Kollektiv, in dem kein Einzelner hervorstechen soll." Stattdessen suchen Eylon und Boaz lieber nach unentdeckten Talenten. Sergio Braams beispielsweise, war ursprünglich Straßenmusiker. Eylon sah ihn und wusste sofort, den brauchen wir. Er selbst war anfangs wenig überzeugt „ich kann weder tanzen noch trommeln“ entgegnete er damals. Seit dem sind rund fünfzehn Jahre vergangen und wer ihn auf der Bühne gesehen hat, kann sich diese Selbsteinschätzung nur schwer erklären. Genau wie die übrigen neun Darsteller und Darstellerinnen wirbelt er über die Bühne, die gemeinsam mit dem eigenen Körper zum Percussion-Instrument wird. Klatschen, trommeln, schnipsen, stampfen, alles was einen Rhythmus erzeugt, wird genutzt, im Publikum ist Fußwippen statt Ritalin angesagt.

Foto: Nilz Boehme

In New York, Paris und Barcelona kam die Mischung aus Tanz, Musik, Percussion und Show bereits bestens an. Nun kommen Mayumana mit ihrer aktuellen Show "Momentum" nach Deutschland. Von eventueller Schüchternheit des deutschen Publikums zeigt sich die Gruppe unbeindruckt: „Wenn die Belgier es geschafft haben, spontan den Gangnam Style mit uns hinzulegen, schaffen das die Deutschen auch."

Insgesamt macht die Show von Mayumana auch einfach Spaß, sodass manch eine gerne das „pretty girl“ spielt und so zum Ziel musikalischer Liebeserklärungen und Slapstick-artigen Annäherungsversuchen wird. Wenn die tanzende Gruppe die Schwerkraft scheinbar außer Kraft setzt, oder mittels Video und Loopmaschine Raum und Zeit überwunden werden, darf sich hingegen zurückgelehnt und gestaunt werden. Und schließlich können sich bei Gesangseinlagen, Gitarrenspiel und natürlich den unzähligen Percussions auch die Ohren freuen.

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13.–18.8. Colosseum, Essen

Interaktiv: Mayumanas Momentum

Tag und Nacht, Arbeitszeit und Freizeit: Der Faktor Zeit strukturiert unser Leben. Dabei ist das Konzept an sich nicht greifbar und höchst subjektiv, ob eine Stunde schnell oder langsam vergeht, hängt davon ab, wie man sie verbringt. Wenn die israelische Gruppe Mayumana in ihrer aktuellen Show „Momentum“ tanzenderweise die Schwerkraft außer Kraft setzt, steht die Zeit für einen Moment still. Bei [mehr...]


13.-18.8. Colosseum, Essen
20.–25.8. Capitol Theater, Düsseldorf

Mayumana: Rythm is a Dancer

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