Made in Düsseldorf: Spannende Gegenüberstellungen

Das Leben ist ein Heimspiel: Bößer, Lange und Spaniol | Foto: Anna Kleine

Made in Düsseldorf: Unter diesem Namen rief das FFT 2011 eine Plattform für die freie Theaterszene der Landeshauptstadt ins Leben. Im Stundentakt bespielten über hundert Künstler an drei Tagen die fünf Bühnen im FFT Juta sowie im Theatermuseum. 2013 startet der Theater-Marathon zwischen dem 30. Mai und 1. Juni erneut.

Die Performances gestalten sich dabei unterschiedlich: Klassisches Theater ist ebenso gefragt wie Tanz oder Klanginstallation. Insgesamt vierzig Bewerbungen sind im FFT eingegangen. „Das sind doppelt so viele wie beim letzten Mal“, sagt Pressesprecherin Henrike Loer. Besonders spannend für die Teilnehmer sind die sogenannten „Sprechstunden“, bei denen zwei Festivalbeobachter das Gesehene öffentlich beurteilen. Das Engagement lohnt sich übrigens für beide Seiten. Neben der Auszeichnung für die beliebteste Produktion winkt auch ein Preis für den schaulustigsten Zuschauer. Der Samstagabend klingt dann feierlich aus. Bei der Abschlussparty „Bring und Swing“ darf das Tanzbein auch ganz ohne Regieanweisungen geschwungen werden.

Theaterblutspuren

Auf die Abschlusssause freuen sich Dennis Palmen und sein Looters-Ensemble genauso wie auf den Auftritt selber. Die Truppe ist schon zum zweiten Mal mit von der Partie und kann auf eine kleine Ensemble-Historie zurückblicken: Bereits vor zehn Jahren nahm Palmen am Jugendkulturprojekt „Düsseldorf ist ARTig“ teil. Mit Mitgliedern des Jugendclubs des Jungen Schauspielhauses begann er damals erste Theaterideen zu verwirklichen. Heute kann der 29-Jährige 15 Stücke vorweisen und leistet mit „Lucy Pie Has To Die“ seinen Beitrag zu „Made in Düsseldorf“. Das Stück erzählt einerseits von alltäglichen Spielverderbern, die hier als „Lucy Pies“ auftauchen. Andererseits von vier Freunden und einer neuen Klassenkameradin. Name: Lucy Pie. Weder als Stereotyp noch als konkrete Person gewinnt Lucy Sympathiepunkte, weshalb drei der vier Freunde beschließen, das Mädchen, das in einer Kuchenfabrik lebt, um die Ecke zu bringen. Ein Splatter-Theaterstück wollte Palmen aber vermeiden. In den brutalen Szenen werden die Schauspieler deswegen von kleinen Puppen ersetzt: „Ich wollte keine große Blutorgie auf der Bühne haben. Wenn also jemandem der Kopf abgerissen wird, ist es nur eine Puppe.“

Tonspuren mit Tanz

Absolut friedfertig, aber mit viel Lokalbezug bringen sich Gudrun Lange, Karen Bößer und Kathrin Spaniol ein. Unter dem Titel „Heimspiel“ planen sie für das Festival einen Zusammenschluss der hiesigen Tanzszene. Zu diesem Zweck haben die Choreographinnen einen Aufruf an alle ihnen bekannten Tänzer der Landeshauptstadt verschickt. Jeweils eine Bewegungsidee und ein Musikstück sollten sie zum „Heimspiel“ beisteuern. „Unser Anliegen ist es, so viele Leute aus der Düsseldorfer Tanzszene zu mobilisieren, wie es geht“, so Gudrun Lange. Die Rede war bei Redaktionsschluss von drei bis dreißig Mitwirkenden. Was dabei herauskommt, bleibt bis zum Auftritt der Düsseldorfer abzuwarten. Soviel aber ist klar: Die Reihenfolge legen Lange, Bößer und Spaniol fest, danach bringen sich alle Künstler gegenseitig ihre Bewegungen bei. „Wir werden beim Aneinanderreihen darauf achten, dass es spannende Gegenüberstellungen gibt“, beschreibt Lange die Vorgehensweise. Für die Tänzerin ist das Projekt übrigens in doppelter Hinsicht ein „Heimspiel“: sowohl als langjährige Wahl-Düsseldorferin als auch als künstlerischer Stammgast des FFT.

Auf den Spuren von Cage

Die acht Herren vom Translokalen Rundfunkorchester sind ein Orchester der anderen Art. Kennengelernt hat man sich 2009 während des Studiums am Institut für Musik und Medien der Düsseldorfer Robert Schumann Hochschule. Seitdem absolvierten sie Auftritte in Berlin, Paris und Birmingham. Mit ihrem Stück „Studie V für präparierte Unterhaltungselektronik“ wollen sie den gesamten Aufführungsraum in eine Klanglandschaft verwandeln. Und das ganz ohne handelsübliche Instrumentierung. Das experimentelle Ensemble benutzt ausrangierte Radios, Plattenspieler und während des Festivals auch Fernseher, um sowohl Klang als auch Bild zu erzeugen. Die veraltete Elektronik wird an eine moderne, computerbasierte Schnittstelle angeschlossen und somit in Betrieb genommen. Für Combo-Mitglied Lukas Truniger gleichzeitig eine praktische Angelegenheit: „Viele Geräte werden absichtlich so gebaut, dass sie schnell kaputt gehen. Das passt für uns eigentlich ganz gut, da wir aktiv dagegen wirken und die Lebensdauer und ihren Nutzen verlängern.“ Auf die Frage, was die Zuschauer im FFT erwarte, schmunzelt Truniger: „Auf jeden Fall Krach.“

Heimspiel“ (Lange, Bößer + Spaniol): 30.5. (20 h) FFT Juta; „Studie V für präparierte Unterhaltungselektronik“ (Das Translokale Rundfunkorchester): 31.5. (21 h) FFT Juta; „Lucy Pie has to die“ (Looters-Ensemble): 1.6. (19 h) Theatermuseum