Kein Licht./Prometheus: Endzeit-Ballett

| Foto: Jakob Studnar

Blöde Technik“ raunt es unter den Zuschauern, als zum wiederholten Mal der komplette Theaterraum im Dunkeln liegt. „Oder ist das ein Teil der Inszenierung?“, fragen sich Besucher in der Pause. Nun, an der technischen Ausstattung des Theaters liegt es nicht.

Regisseur Philipp Preuss schickt das Publikum im wahrsten Sinne des Wortes hinters Licht, indem er die Störanfälligkeit vorführt, die jedem technischen Fortschritt innewohnt. Und er verweist gleichzeitig auf die Abhängigkeit des Menschen von Energie, die den Wohlstand sichert.

Das Moerser Ensemble schlägt in dem zweiteiligen Abend den Bogen vom Feuer bringenden Prometheus (Aischylos) bis hin zu Elfriede Jelineks reaktiven Textfläche „Kein Licht.“ mit freien Assoziationen rund um den Supergau in Fukushima. Diese Zusammenstellung macht Sinn. Preuss verknappt den Aischylos-Mythos auf das Notwendigste, er steckt die Schauspieler in historisch anmutende Glitzerkostüme und projiziert die verzerrten Gesichter von Prometheus & Co. auf einen riesigen Ballon. Der Regisseur findet zudem Gefallen am Einsatz von Schwarzlicht-Theater. Nie verliert die Inszenierung an Humor, was besonders dem Jelinek-Text gut tut. Der beim Lesen schwer verdauliche Dialog zweier Musiker wirkt auf der Bühne erstaunlich durchlässig, voll amüsanter Wortspiele mit Vokabeln wie „strahlen, leuchten und (ab-)klingen“.

Auch wenn manche Wortschleife die Nerven strapaziert, findet das in weiße Stretchanzüge gequetschte Ensemble stets neue Spielarten in ihrem Endzeit-Ballett. Sie tanzen zum Sound des Dosimeters, formieren sich neu, rennen später als Notausgang-Piktogramme getarnt gegen die Wände des radioaktiv-fluoreszierenden Bühnenkastens. Erst gegen Ende findet einer die rettende(?) Tür nach draußen.

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