Jan Fabre: Herr der Käfer

Jan Fabre: Phantasie-Insekten-Skulpturen (1976-1979) | Foto: Pat Verbruggen, Courtesy Angelos bvba / Jan Fabre, Antwerp

Insekten, insbesondere Käfer – seit Jahrtausenden Sinnbild der Metamorphose – sind elementare Bestandteile des künstlerischen Schaffens von Jan Fabre. Schon in jungen Jahren beschäftigte sich der 1958 geborene Belgier, der zugleich durch seine eigenwilligen Theater- und Tanzperformances bekannt ist, intensiv mit den Krabbeltierchen. Seine in den 70er Jahren entstandenen Insektenzeichnungen und -skulpturen, die kürzlich erstmals in Eupen gezeigt wurden, sind im Rahmen der Ruhrfestspiele derzeit in der Kunsthalle Recklinghausen zu sehen.

Die smaragdgrün schillernden Panzer des Juwelenkäfers sind weithin das wohl bekannteste Material Jan Fabres, mit dem er beispielsweise anno 2002 die Decke des Spiegelsaals im Königlichen Palast zu Brüssel bedeckte. Dass er von den symbolträchtigen Gliederfüßern schon als junger Student fasziniert war, woran sein Großvater, der Insektenforscher Jean-Henri Fabre, sicherlich nicht ganz unschuldig ist, beweisen in der Recklinghäuser Kunsthalle rund 120 Zeichnungen sowie zahlreiche groteske, aus präparierten Insekten montierte Phantasiegeschöpfe. Ebenso ein labyrinthartiges, detailverliebtes Spinnenkopftheater und das „Nasenlaboratorium“ – ein von dem damals 20-Jährigen zu Forschungszwecken auf dem elterlichen Grundstück errichtetes und mit allerlei Utensilien ausgestattetes Feldzelt.

Wohl mag man als Tierfreund einen gewissen Argwohn gegen das belgische Multitalent hegen – Insectophobiker haben angesichts der bizarren Menagerie diese Zeilen eh längst verlassen –, dennoch ist sein surrealer Käfer-Kosmos, in dem Leben und Tod, mithin das ewige „Stirb und werde“ thematisiert werden, allemal sehenswert.

Entsprechend empfiehlt sich zusätzlich eine Reise nach Wuppertal, denn im Glaspavillon von Tony Craggs Skulpturenpark sind Fabres jüngste Visionen in Form einiger kleiner Bronzeskulpturen zu sehen. In Anbetracht solch vielsagender Kreaturen ist zur vorgerückten Stunde Kafkas „Verwandlung“ sicherlich die passende Bettlektüre.