Die besseren Wälder im Consol Theater

| Foto: Pedro Malinowski

Allein unter Schafen

Inspiriert vom Sprichwort „Ein Wolf im Schafspelz“ hat der Autor Martin Baltscheit ein Gleichnis über die Probleme des Erwachsenwerdens verfasst. Dabei ahnt der Zuschauer sehr früh, dass die Adoption eines quirligen Wolfsjungen (vielschichtig: Daniel Mathéus) von einer trägen Schafsgemeinschaft nicht gut enden kann. Auch eine spätere Rückkehr zu alten Wolfsfreunden scheint unmöglich, die mögen nun mal keine Salatköpfe knabbernden Vegetarierwölfe.

Das fünfköpfige Consol-Ensemble spielt die in der Vorlage angelegten Kalauer genussvoll aus: Da ist vom Anstimmen eines „Schavemaria“ die Rede, wenn die Lämmchen in die Kirche trotten. Oder vom „Schweigen der Lämmer“, als es um die Aufdeckung eines Verbrechens geht. Unter der Oberfläche schwelen schwerwiegende Themen wie sozialer Anpassungsdruck, Schwierigkeiten der Migration, Sinn und Unsinn von Traditionen und der Einfluss fremder Kulturen. „Die besseren Wälder“, die liegen hinter dem schützenden Zaun, sind Verlockung und Gefahr zugleich. Intelligent verspinnt Regisseurin Andrea Kramer die metaphernreichen Erzählstränge miteinander. Sie verpackt die gegensätzlichen Tierwelten in kleine Tanzchoreografien, lässt ihre Schauspieler grasen und herumtollen.

Die genügsamen Wolltiere und die linkischen Wölfe unterscheiden sich einerseits durch die Kostüme von Sabine Kreiter, andererseits durch die Spielfreude der Darsteller. Akrobatische Wolfssprünge, insbesondere von Svenja Niekerken, werden auf der kuscheligen Weidelandschaft aus schachbrettartig angeordneten Teppichfliesen abgefedert (Bühne: Tilo Steffens). Am Ende zählt dann: „Es ist nicht wichtig, wo du herkommst, sondern wo du hingehst.“ Schön.