Sophia, der Tod und ich: Uraufführung des Tomte-Texter-Stücks

Bühne aus Pappe: eine Stärke des Stücks | Foto: Martin Kaufhold

Der ach so kurze Moment der Erkenntnis: Tomte-Texter Thees Uhlmann hat diesen in seinen Liedern skizziert und in seinem Erfolgs-Roman „Sophia, der Tod und ich“ die ganz große Bühne gegeben. Die räumt dem Roman jetzt auch das Essener Schauspiel ein: eine Uraufführung.

Spätestens als der Tod auf dem Wannenrand sitzt und den Erzähler beim Pinkeln überrascht, muss dieser erkennen: So geht’s nicht weiter. Allein schon, weil es naturbedingt von diesem Moment an überhaupt nicht weiter geht. Doch weil gerade auch noch die Ex-Freundin klingelt, kommt nicht nur sein Herz aus dem Rhythmus, sondern auch der Sensenmann selbst. Statt drei Minuten hat er nun drei Tage, sein Leben zu sortieren und sich seinen letzten Wunsch zu erfüllen: Ein Mal noch den im Sorgerechtsstreit verlorenen Sohn sehen, dem er bislang Tag für Tag väterlich verrückte Postkarten schrieb. Sophia (Stephanie Schönfeld), der Tod und er, dazu seine protestantisch tapfere Mutter („schönschönschön“) machen sich auf den Weg.

Tilman Gersch setzt das potenzielle Road-Movie als Kammerspiel um und gibt dem Todgeweihten (Stefan Diekmann im „You’ll never walk alone“-Shirt) just jene Zeit, sich mit dem Tod abzufinden, die der „große Kerzenauspuster“ (Jens Winterstein – Bestatter-Look mit Rowan-Atkinson-Augen) braucht, sich mit dem Leben anzufreunden. Statt auf Effektgebolze beim Auftritt eines zweiten, noch tödlicheren Todes (Jan Pröhl mit blassblondem Fascho-Scheitel) setzt er dagegen auf spärliche Pantomime. Das ist Theater! Und wer jetzt einwirft, ein Ich-Erzähler sei vielleicht auf der Bühne nicht so prickelnd, und hier ein animiertes Hörbuch in Pappkulisse vermutet, liegt nur einmal richtig: Die Bühne (von Henrike Engel) ist tatsächlich von Pappe – und das ist ihre Stärke. Das Ende, nun, entbehrt nach aller Komik nicht der angemessen tränenziehenden Tragik. Aber es kommt im richtigen Augenblick. Andreas Lammers