Tänzerische Höchstleistungen: Neues Ballettprogramm der Oper am Rhein

Proben für die Premiere von b.31 | Foto: Gert Weigelt

Das neue Ballettprogramm der Oper am Rhein unter ihrem Choreographen und Künstlerischen Direktor Martin Schläpfer ist wie gewohnt ein Dreiteiler. Gemeinsam ist allen Stücken, dass sie nicht in ihrer Ursprungsversion gezeigt werden. Am 1. April feierte b.31 Premiere in Düsseldorf.

Eröffnet wird der Abend mit einer neuen Fassung von „Obelisco“, einem der wichtigsten Werke Martin Schläpfers, das dieser 2007 für das ballettmainz produzierte. Ein Kreisen um die Mitte in sieben Bildern, die akustisch höchst unterschiedlich bespielt werden: mit Musik von Marla Glen, Salvatore Sciarrino, Franz Schubert, Domenico Scarlatti, W. A. Mozart, Giacinto Scelsi und Richard Heuberger. Obelisco ist ein sehr stimmungsvolles, fast tranceartiges Ballett und nicht zuletzt ein Ballett über Füße und ihre Bekleidung – getanzt wird mal barfuß, mal in Schläppchen, in Spitzenschuhen oder High Heels.

Ähnlich entrückt und dunkel wirkt die Sphäre in „Adagio Hammerklavier“ des großen niederländischen Choreographen Hans van Manen. Ludwig van Beethovens Spätwerk gilt so ziemlich als das Gegenteil von „guter Ballettmusik“, was van Manen mit seiner Adaption des Adagios aus der Sonate Nr. 29 B-Dur op. 106 („Große Sonate für das Hammerklavier“) bereits 1973 eindrucksvoll widerlegte. Heute gilt das Stück, in dem drei Paare geradezu schmerzhaft langsam ihre Konstellationen ausloten, als eines der Meisterwerke des 20. Jahrhunderts. Die Neueinstudierung seines Opus‘ für b.31 überließ der Maestro seiner Muse, der Starballerina des Amsterdamer Nationalballetts, Igone de Jongh.

Den dritten Teil des Abends bestreitet das spanisch-britische Choreographen-Duo Sol Léon und Paul Lightfoot mit einer schwungvollen und humorigen Inszenierung. Frei nach „Life could be a dream“ persifliert „SH-BOOM!“ das Show-Business: Zu U-Musik der 1920er bis 1950er Jahre liefern sich Herren in Feinrippunterwäsche und Damen in züchtigen Kleidern einen unterhaltsamen Schlagabtausch. Tänzerische Höchstleistungen folgen hier in wahnwitzigem Tempo aufeinander. Mitte der 90er entstand das Stück für einen Workshop des Nederlands Dans Theaters. Seitdem wurde es mehrfach überarbeitet – und von Mal zu Mal besser. bk