half past selber schuld: Mit Kafka im Wunderland

half past selber schuld: Ilanit Magarshak-Riegg und Frank Römmele alias Sir ladybug beetle | Foto: Krischan Ahlborn

Seit über 15 Jahren treiben Ilanit Magarshak-Riegg und Frank Römmele alias Sir Ladybug Beetle als „half past selber schuld“ ihr Unwesen auf deutschen Theaterbühnen. Mit ihrer ausgefallenen Mischung aus Musik, Tanz und Puppenspiel waren sie anfangs meist im Raum Düsseldorf unterwegs. Spätestens seit ihrem Sieg bei den „RTL-Puppenstars“ sind sie auch überregional bekannt. Mit dem neuen Bühnencomic „Kafka in Wonderland“ feiert das Duo demnächst Premiere.

Was verbindet für Sie Franz Kafka mit Alice im Wunderland?

Beide Protagonisten treffen auf surreale Situationen und Figuren bzw. befinden sich in traumartigen Welten. Ansonsten ist die stärkste Verbindung wohl in unserem Bühnencomic zu sehen, da wir dort versuchen, ein Gefühl beider Literaturvorlagen zusammenzubringen. Uns gefiel einfach die Idee, zur Darstellung unserer Zukunft Alices phantastische Welt und die albtraumhaften Situationen Kafkas zusammenzubringen.

Worum geht es in „Kafka in Wonderland“?

Wir haben uns mit dem Thema „Transhumanismus“ beschäftigt, also mit der philosophischen Denkrichtung, die Grenzen menschlicher Möglichkeiten, sei es intellektuell, physisch oder psychologisch, durch den Einsatz technologischer Verfahren erweitern zu wollen. Das ergibt die Chance einer großartigen, sorglosen Zukunft, birgt aber auch die Gefahr, die Menschheit mal eben so richtig gegen die Wand zu fahren. Auf jeden Fall hat das Thema neben wichtigen und ernsten Fragen des Lebens auch eine Menge komisches Potenzial, so dass die Grenzen zwischen realen technischen Möglichkeiten und absurden Science Fiction-Phantasien fließend ineinander übergehen.

Wie wird das „Wonderland“ auf der Bühne dargestellt?

Wonderland incorporated ist bei uns ein riesiger Konzern, der seine Finger überall mit drin hat und der richtungsweisende und äußerst innovative Produkte der Zukunft herstellt. Produkte, die unser Leben von Grund auf verändern werden.

Puppe aus "Kafka in Wonderland" | Foto: Krischan Ahlborn

Wie kann man sich das Geschehen auf der Bühne generell vorstellen?

Es wird wie immer eine Vielzahl verschiedener Darstellungsformen geben, also Schau-, Puppen- und Schattenspiel, Choreographie, Film und natürlich jede Menge wundervolle Musik. Neben frisch entwickelten Puppenfunktionen werden ein paar für uns relativ neue Elemente im Stück zu finden sein: das 3D-Schattenspiel, der Einsatz von Schwarzlicht und teilweise elektronisch gesteuerte Puppen.

Gibt es bestimmte Figuren, auf die Sie sich besonders freuen?

Oh ja. Zum einen freuen wir uns darauf, die Charaktere endlich fertig gebaut und farbvollendet in gutem Licht auf der Bühne sehen zu können. Zum anderen macht der eine oder andere Mechanismus große Lust darauf, die Puppe oder das Requisit zu spielen. Vor allem auf das autonome Waffensystem mit dem schönen Namen KFK freuen wir uns ganz besonders, weil es einfach eine unglaublich geile Puppe mit fragwürdigem Charakter ist. Man wünscht sich direkt ein komplettes Stück nur für diese Figur oder zumindest eine Verlängerung der Szene. Aber der Gedanke hat keine Chance, denn auch Carl, ein „self-driving car“, eine intelligente Mikrowelle, ein Chor mit elektronisch gesteuerten Augen oder ein Flugsaurier sind starke Gestalten mit außergewöhnlichem Erscheinungsbild, die ihre Präsenz einfordern. Es wird jedenfalls ein Riesenspaß werden, all diesen Figuren Leben einzuhauchen!

Gibt es spezielle Rituale, bevor Sie auf die Bühne gehen?

Auf der Bühne spucken wir uns kurz bevor es losgeht gegenseitig über die Schulter. In der Garderobe singen wir zusammen lautstark alberne Lieder, aber nur, falls wir uns rasieren müssen. Also natürlich nur die, die das brauchen.

Wovon lassen Sie sich bei Ihrer Arbeit inspirieren?

Eigentlich inspiriert ja alles. Die Frage ist lediglich, welche Ideen man als gut genug empfindet, damit sie es ins Konzept und letzten Endes auf die Bühne schaffen. Bei unserer USA Recherchereise im Sommer haben wir massiv Inspiration in uns aufgesogen. Es verging kein Tag ohne nicht mindestens drei kulturelle Highlights. Wirklich! Inhaltlich inspirierten uns wissenschaftliche und technische Neuheiten und Prognosen für die Zukunft, von Autoren wie Ray Kurzweil, Nick Bostrom oder Aubrey de Grey, aber auch innovative Fernsehserien wie Black Mirror.

Sie leben seit einigen Jahren in Düsseldorf – was sind Ihre Lieblingsorte in der Stadt?

Ganz klar: unser Atelier und unser Studio. Wir gestehen, wir sind wohl etwas zu obsessiv, um wirklich etwas von der Stadt mitzubekommen. Aber das Fussballstadion, die Altstadt und Flingern sowie das Kulturamt und das WP8 haben wir dann doch schon dann und wann von innen gesehen und auch für gut befunden. Conrad Rading