Kultur-Kopf: Edwin Jacobs ist neuer Leiter des Dortmunder U

Edwin Jacobs ist neuer Leiter des Dortmunder U. | Foto: www.patricktemme.com

Das Dortmunder U hat eine neue Spitze. Der Niederländer Edwin Jacobs ist neuer Leiter des kulturellen Leuchtturms. Der 56-Jährige war zuvor Generaldirektor des Centraal Museums in Utrecht. Er gilt als Reformer und möchte auch an der Ruhr etwas bewegen. Dominique Schroller sprach mit ihm über seine Pläne.

Wie ist als Neu-Dortmunder Ihr Eindruck von der Stadt?

Bevor wir Ende vergangenen Jahres umgezogen sind, haben wir uns Dortmund und Umgebung genau angeschaut und hatten sofort das Gefühl, dass die Atmosphäre hier sehr offen, sehr positiv und sehr direkt ist. Und es ist sehr grün – das hatten wir nicht erwartet. Die vielen Parks in der Stadt und die Landschaft mit den vielen Rad- und Wanderwegen sind sehr schön. Meine Frau kommt aus der Innenstadt von Amsterdam, ich aus Utrecht. Hier wohnen wir nun am Ortsrand und schauen in die Natur. Das gefällt uns genauso wie die unterschiedlichen Charaktere der Viertel. Am vergangenen Mittwoch waren wir den ganzen Abend im Kreuzviertel unterwegs. Das war für mich eine echte Entdeckung – genauso wie die Nordstadt und der Hafen. Deswegen bin ich ganz froh, dass wir diesen Schritt gemacht haben und ich jetzt hier arbeiten kann.

Was hat Sie von Utrecht an die Ruhr gelockt?

Es war einfach der richtige Moment in meinem persönlichen Leben. Acht Jahre lang war ich Generaldirektor des Kunstmuseums Utrecht. In der Zeit haben wir dort vieles umgestaltet und dann tauchte die Frage auf, was jetzt kommen soll. Da kam der Anruf von Herrn Eisler, ob ich Interesse am Dortmunder U hätte, genau richtig. Er hat mir neue Möglichkeiten eröffnet. Denn das U ist nicht nur ein Museum oder ein Kulturinstitut, es ist eine Mischung von beidem mit einem Netz aus Verknüpfungen. Dieses Konzept hat mich sehr angezogen. Dazu kam das Ruhrgebiet als Kraftpunkt mit seiner vielfältigen Infrastruktur. Die ersten Gespräche mit den Partnern, die nichts schöner gemacht haben, als es ist, haben mich überzeugt und mir ein gutes Gefühl gegeben.

Wie empfinden Sie die Stadt und die Menschen?

In den vergangenen Wochen habe ich die Stadt und die Leute immer besser kennen gelernt. Es ist mir sehr deutlich geworden, dass Dortmund attraktiver werden will. Es ist eine große Bereitschaft spürbar, gemeinsam etwas dafür zu tun und es ist der richtige Moment dafür. Das Fußball-Museum ist gerade als Europäisches Museum des Jahres nominiert. Das ist toll für die Kollegen und wichtig für die gesamte Kulturlandschaft. Die verschiedenen Institutionen können stolz aufeinander sein, denn diese Qualität ist einfach fantastisch.

Wie möchten Sie das U in das Alltagsleben integrieren?

Zuletzt habe ich immer mal wieder im Foyer gesessen und mit Besuchern gesprochen. Das waren Familien, aber auch viele junge Leute. Von ihnen habe ich erfahren, dass sie das U als ein Haus sehen, in dem immer etwas los ist. Das ist schön und das möchte ich weiter entwickeln. Die Leute sollen vorbeikommen und schauen, was sie hier erleben können.

Worauf dürfen sich die Museumsbesucher freuen?

Wir haben in diesem Jahr verschiedene Ausstellungen und Aktivitäten. Am 19. Mai stellen wir unser neues Programm „Womit rechnest Du?“ vor. Darin zeigt die Ausstellung Matheliebe wie alles miteinander verknüpft ist. Gleichzeitig zeigt Matchmaker die Werke eines niederländischen Künstlers, der sich mit Gaming-, Kino- und digitaler Technik auseinandersetzt. Seine Bilder wären ohne die mathematische Entdeckung des Computers gar nicht möglich gewesen. Eine Initiative der Fachhochschule bietet dazu eine Werkstatt an, in der die Besucher beide Ausstellungen wie in einem Zwischenraum interaktiv entdecken können. Das ist das erste Mal, dass wir verschiedene Projekte unter einer Idee zusammengefasst haben.

Wohin möchten Sie das U steuern?

Das Haus soll in der Stadt und im gesamten Umkreis noch bekannter werden. Außerdem möchte ich mit unseren Partnern weitere Partizipationsprojekte entwickeln und sie noch mehr in das Konzept integrieren. Die Dauerausstellung des Museums am Ostwall soll noch dynamischer und thematischer werden. Das soll die Besucher anregen, die Sammlung neu für sich zu entdecken. Konkret denke ich an populäre Themen wie Mode, Kino oder Musik mit denen Künstler sich verknüpft haben und die die Menschen aus ihrem Alltag kennen und verstehen. Denn sie sollen sich im Haus willkommen fühlen und gleichzeitig neue Perspektiven mitnehmen.

Inwiefern sind Sie persönlich schon in Dortmund angekommen?

Ich fühle mich hier sehr willkommen. Der offizielle Empfang war wie ein warmes Bad. Als ich an meinem ersten Arbeitstag ins Büro gekommen bin, lagen kleine Geschenke von meinem Team auf dem Schreibtisch. Das hat mich sehr berührt.