Stücke 2014: Kosten-Nutzen-Rechnung

Szene aus „am beispiel der butter“ | Foto: Rolf Arnold

Eine thematische Klammer gibt es bei den Stücken 2014 diesmal offiziell nicht. Vielmehr steht laut Gremiumsprecherin Christine Wahl „das große Ganze“ im Mittelpunkt. Dem wiederum wird sich mal beispielhaft an stereotypischen Hauptcharakteren und mal mithilfe eines theoretischen Modells genähert. Und manchmal reicht auch etwas alltägliches wie Butter, um die Welt zu erklären.

Das oberste Ziel der Kunst ist laut Oberhausens Chefdramaturg Tilman Raabke, der in diesem Jahr die Moderation der öffentlichen Jurydebatte übernimmt: „Das Neue zu entdecken, zu denken und die Welt so Neues sehen zu lassen.“ Viel zu denken und zu entdecken gibt es bei den Produktionen von Riminiprotokoll immer. Die Theatergruppe, die mit ihrem interaktiven Stück Situation Rooms letztes Jahr bei der Ruhrtriennale zu Gast war, kommt mit dem Stück „Qualitätskontrolle“ nach Mülheim. Im Zentrum und auf der Bühne sitzt Maria-Christina Hallwachs und ihre eigene Lebensgeschichte. Kurz nachdem Abitur sprang sie auf der falschen Seite des Swimmingpools. Kinderbecken, Genickbruch, eine Lähmung vom Hals abwärts. „Es ist die Geschichte eines Menschen, der der Kosten- und Nutzen-Rechnung unserer Gesellschaft nicht entspricht,“ erläutert Christine Wahl.

Diese, vom Kapitalismus geprägte Idee einer Gesellschaft, ist auch Thema in Philipp Löhles Stück „Du (Normen)“. Sein Protagonist ist ein Durchschnittstyp, der sich nach dem Prinzip des Homoökonomikus so verhält, dass er möglichst sorgenfrei durchs Leben kommt. Ein netter, eigentlich unspannender Typ der erst dadurch, dass er stellvertretend für die breite Masse steht, erschreckend interessant wird.

„Eine wahre Entdeckung“ ist laut Wahl der junge, österreichische Dramatiker Ferdinand Schmalz. „a beispiel der butter“ bzw. eines Molkereibetriebs erklärt er dem Publikum die Welt und das auch noch mit Wortwitz und Charme.

Alle nominierten Stücke im Überblick

  • Laura de Weck
    Archiv des Unvollständigen
    Oldenburgisches Staatstheater in Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen
  • Wolfram Höll
    Und dann
    Schauspiel Leipzig
  • Rebekka Kricheldorf
    Alltag & Ekstase
    Deutsches Theater Berlin
  • Philipp Löhle
    Du (Normen)
    Nationaltheater Mannheim
  • René Pollesch
    Gasoline Bill
    Münchner Kammerspiele
  • Helgard Haug & Daniel Wetzel / Rimini Protokoll
    Qualitätskontrolle
    Eine Produktion von Rimini Protokoll in Koproduktion mit dem Schauspiel Stuttgart
  • Ferdinand Schmalz
    am beispiel der butter
    Schauspiel Leipzig

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19.-23.5. im Rahmen der Mülheimer Theatertage

KinderStücke 2014: Eine Frage der Perspektive

Zwar ist die Qualität der Kinderautorenstücke in der Breite gestiegen, insgesamt sei der „Antrieb und Anreiz an deutschen Theatern aber noch immer zu gering.“ Thomas Irma, Sprecher des Auswahlgremiums für die Mülheimer Kinderstücke 2014 eröffnet die Vorstellung der diesjährigen Nominierten mit mahnenden Worten. Die überall gegenwärtigen Budgetprobleme führten leider oft dazu, dass hauptsächlich [mehr...]


15.8. - 28.9. versch. Orte, Ruhrgebiet

Ruhrtriennale 2014: Goebbels Abschlussprüfung

Zu seinem Abschlussjahr holt Heiner Goebbels noch einmal einige alte Bekannte aus seiner dreijährigen Intendanz bei der Ruhrtriennale ins Programm. Unter den großen internationalen Namen findet sich erneut der Theatermacher Romeo Castellucci, die Choreografen Anne Teresa de Keersmaeker und Boris Charmatz sowie der Performancekünstler Lemi Ponifaso. Die Eröffnung der Triennale wird in diesem Jahr [mehr...]


Ruhrtriennale: freitagsküche mit Rimini Protokoll

freitagsküche zur "Situation Rooms"-Inszenierung im Rahmen der Ruhrtriennale.  [mehr...]


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