Magnus-Hirschfeld-Tage NRW

Magnus Hirschfeld (rechts) in „Anders als die Anderen“ | Foto: Edition Filmmuseum

Alle zwei Jahre finden die Magnus-Hirschfeld-Tage statt, 2014 erstmals in NRW. Der 1868 geborene Hirschfeld war Arzt und Sexualwissenschaftler und gilt als Begründer der modernen Homosexuellen-Emanzipation. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts setzte er sich für die Entkriminalisierung von Schwulen und Lesben und die Abschaffung des § 175, der aber erst 1994 endgültig gestrichen wurde, ein.

Trotz einiger kritischer Überzeugungen Hirschfelds, gilt der Mediziner bis heute in der Schwulen- und Lesben-Bewegung als zentrale Leitfigur. Jahrzehntelang wurde versucht, der wissenschaftlichen Aufarbeitung des zu großen Teilen durch die Nazis vernichteten Werkes von Magnus Hirschfeld und der Fortführung seiner Arbeit eine Organisation zu geben. Dies gelang erst 2011 mit der Gründung der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld. Mit den Magnus-Hirschfeld-Tagen hat die Stiftung ein Forum ins Leben gerufen, das den aktuellen Stand der Forschung und das schwullesbische Leben in Deutschland reflektiert.

Die erste Ausgabe fand in Berlin statt, 2014 ist ganz NRW Austragungsort. Die einzelnen Veranstaltungen werden von Initiativen und Vereinen vor Ort bestritten – leider führt das dazu, dass große Teile des Programms doch wieder in Großstädten wie Köln, Düsseldorf, Essen und Dortmund stattfinden –, aber immerhin sind auch Gelsenkirchen, Mülheim, Siegen und Mönchengladbach mit einzelnen Terminen vertreten.

Nicht nur für Schwule und Lesben spannend

Neben einem großen Anteil an Vorträgen und Diskussionen, die sich teilweise sehr spezifischen Themen widmen und nur für Spezialisten interessant sind, finden sich in dem Programm auch etliche Termine, die nicht nur für Schwule und Lesben spannend sind. So zeigt das kleine Theater in Essen „Schlachter-Tango“ von Michael Grunert (8.5.). Ein Doku-Drama über einen schwulen Juden, der die Nazizeit überlebt und in den 50er Jahren das erste schwule Lokal Hannovers eröffnet. In Dortmund finden ab dem 18.4. Lesungen schwuler und lesbischer Autoren an öffentlichen Orten statt.

Zum Filmprogramm steuert die Filmreihe Homochrom mit „Anders als die anderen“ den interessantesten Beitrag bei. Der 1919 gedrehte Film, der in Köln (20.4), Dortmund (28.4) und Bochum (4.5.) zu sehen ist, gilt als erster schwuler Film überhaupt. Neben dem Stummfilm-Star Conrad Veidt spielt auch Magnus Hirschfeld selbst mit. Der seinerzeit verbotene Film wurde vernichtet, konnte aber aus unvollständig erhaltenen Kopien rekonstruiert werden.

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6.4.–15.5. in ganz NRW

Hirschfeld-Tage: Different, Different, but the same

Das Programm der Hirschfeld-Tage ist vielseitig und facettenreich, ganz so wie der Gegenstand, mit dem man sich auseinandersetzen will. Es geht um das breite Spektrum der Sexualität. Wenn man bedenkt, dass der Paragraph 175 erst 1994 endgültig abgeschafft wurde, ist es umso erstaunlicher, was sich im Jahr 1897 in einer Wohnung in Berlin-Charlottenburg zutrug. Gemeinsam mit drei Mitstreitern [mehr...]


Fehlstunde auf dem Lehrplan

„Die Schilderung einer völlig einseitigen Welt von Homosexualität im Film könnte hier zu einer Desorientierung in der sexuellen Selbstfindung führen.“ Mit diesen Worten begründete die Freiwillige Selbstkontrolle (FSK) Ende letzten Jahres die Freigabe für den Film „Romeos“ – erst ab 16 Jahren. Verena Haase hat in ihrer Jugend sicherlich eine Menge Filme gesehen, die eine völlig einseitige Welt von [mehr...]