Geschichtsstunde: Die Armee im Autohaus

| Foto: Terra Praesenta GbR

Wir schreiben das Jahr 1972. Im kleinen Dörfchen Xiyang in der chinesischen Provinz Shaanxi beschließen ein paar Bauern einen neuen Brunnen zu graben, um ihre Felder besser bewässern zu können. Doch siehe da: Am fünften Tag der Ausschachtungsarbeiten stoßen sie unerwarteterweise auf eine Schicht aus hartgebranntem Ton, die ihnen den Brunnenbau plötzlich erschwert. Schicht im Schacht, die Überraschung ist groß, als sie in vier Metern Tiefe den ersten Rückenpanzer eines Tonkriegers entdecken!

Wir schreiben das Jahr 210 vor Christus. Im Alter von fünfzig Jahren stirbt der erste Kaiser des vereinigten China auf einer Inspektionsreise. Geboren in der letzten Phase der „sieben streitenden Reiche“ hatte Qin Shi Huang Di zuvor auf dem Weg zur Alleinherrschaft nicht nur alle Hindernisse, zum Beispiel hohe Politiker, Generäle und seine Mutter, beseitigt, sondern auch die Zerschlagung aller Feindesstaaten vollzogen und sich am Ende selbst zum „König der Könige“ erklärt. Nach seinem Tod wird eine gewaltige Ansammlung von Tonsoldaten, Tongenerälen und Tonpferden in einer gigantomanischen Grabanlage drapiert, die den großen Kaiser auch noch im Jenseits beschützen soll.

2002 Die Schöpfung

Wir schreiben das Jahr 2002. Weil nicht jeder die Gelegenheit (und den Geldbeutel) besitzt, dieses „achte Weltwunder“ vor Ort im Reich der Mitte zu bestaunen, wird eine Ausstellung ins Leben gerufen, die die Eindrücke jener „größten archäologischen Sensation des 20. Jahrhunderts“ auch nach Europa holen soll. In antiken Öfen werden im Dorf Xiyang Nachbildungen von ca. 150 lebensgroßen Terrakottafiguren angefertigt, ebenso wie acht originalgroße Pferde sowie um die tausend Soldaten in Schlachtformation (als Modell im Maßstab 1:10). Anhand von ausgegrabenen Stoffresten, Steinfiguren und Bildern werden zudem die Kleidungsstücke chinesischer Frauen, so wie sie vor Tausenden von Jahren getragen wurden, rekonstruiert und in einer Reihe von Figuren mit Echthaarperücken präsentiert. Nach ihrer Premiere in Frankfurt zieht die Ausstellung von München und Hamburg über Berlin, Schwerin, Wien und Prag bis nach Palma de Mallorca.

2014 die Leichen machen Platz

Wir schreiben das Jahr 2014. Nachdem Gunter von Hagens’ extrem erfolgreiche „Körperwelten“ das ehemalige Autohaus Lueg auf der Hermannshöhe am Bochumer Hauptbahnhof endgültig verlassen haben, zieht nun also das nächste Ausstellungsspektakel in eben jene Räumlichkeiten ein. Bisher bewunderten über eine Million Menschen jene Repliken der Terrakotta-Armee in Europa, nun werden neue Besucherscharen Ton in Ton den steinalten Geist Chinas in Bochum zu spüren bekommen.

Mehr Kunstartikel

Kunst, Stadtgespräch

Körperwelten: Auf Safari durch das ...

Die Zahlen rund um Elefantenkuh „Samba“ sind durchaus beeindruckend. 64 [mehr...]
7.11.2014–25.2.2015, Di–So ehem. Autohaus Lueg, Bochum
Kunst, Stadtgespräch

Essen Design Weeks: Epizentrum der ...

Von den Bahnsteigen des Essener Hauptbahnhofs leuchtet dem aufmerksamen [mehr...]
bis 29.11. verschiedene Orte, Essen
Kunst, Stadtgespräch

Fotoausstellung - Wir Echt Nordstad...

Folkloretänzer, Baseball-Spieler und Kunstschaffende. Sie alle sind Teil [mehr...]
26.10.–31.3., Kulturinsel Phoenix-See, Dortmund