Der schöne Schein im Gasometer Oberhausen

Entwurf der Installation „320° Licht“ von Urbanscreen | Foto: Urbanscreen

Die Luft ist raus, es werde Licht. Kaum hat Christos „Big Air Package“ den Gasometer Oberhausen verlassen, zieht auch schon das nächste große Ding in das imposante Industriedenkmal ein: In den nächsten acht Monaten erfüllt „Der schöne Schein“ den ehemaligen Scheibengasbehälter, der vor 20 Jahren seine Karriere als Europas höchste Ausstellungshalle begann.

Als Ausstellungs-Highlight im wahrsten Sinne darf zweifelsohne die multimediale Inszenierung „320° Licht“ bezeichnet werden, mit der die Bremer Künstlergruppe Urbanscreen ihre Kunst der Illusion erneut unter Beweis stellt. Mit Hilfe von über zwanzig Hochleistungsprojektoren erzeugen die international gefragten Illuminatoren, die mit ihrer patentierten „Lumentektur“ bereits Gebäude wie das Opernhaus in Sydney (Australien), die Rice-University in Houston (USA) und das Kunstquartier Wien bespielten, einen exakt auf die 100 Meter hohe Innenwand des Gasometers abgestimmten Mix aus grafischen Formen und Licht, der die Grenze zwischen virtuellem und realem Raum zerfließen lässt. Der Schein trügt ganze zwanzig Minuten lang, läuft im Loop, wird von passendem Sounddesign untermalt und gehört mit rund 20 000 Quadratmetern bestrahlter Fläche zu den größten und technisch anspruchsvollsten Innenraumprojektionen der Welt.

Neben diesem Trompe l’œil hat die neue Schau in der „Kathedrale der Industrie“ aber noch ein Shining der anderen Art in petto, das angesichts der Venus von Milo oder da Vincis „Mona Lisa“ zu erleben ist. Rund 150 großformatige Fotografien der bekanntesten Gemälde (z. B. Botticellis „Geburt der Venus“, Caspar David Friedrichs „Mondaufgang“ oder van Goghs „Sternennacht“), deren Originale sich in der Welt heiligsten Hallen befinden, werden von Abgüssen nicht minder berühmter Skulpturen flankiert und geben den Blick auf Details frei. Ein kunsthistorisches Kaleidoskop, das der Schönheit in der Kunst gewidmet ist und für das die „Meisterwerke“ in insgesamt neun Kategorien (u. a. die Schönheit der himmlischen Sphären, die Erhabenheit der Natur, das menschliche Antlitz oder die Faszination des Todes) unterteilt und dergestalt in Beziehung gesetzt werden.

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