Amateurvideos: It’s all Rheydt

Walden Street No. 14, London 2004 | Foto: Gregor Schneider / VG Bild-Kunst, Bonn

Der Ort für die Ausstellung ist gut gewählt. In einem Offraum namens Capri sind derzeit Arbeiten von Gregor Schneider zu sehen. Das Eiland Capri liegt in diesem Fall in Düsseldorf, am unteren Ende der Ackerstraße, unweit des Worringer Platzes. Das scheint prima zu den räumlichen Verwirrspielen zu passen, die der Künstler aus Mönchengladbach allzu gerne betreibt.

2001 baute Schneider auf der Biennale in Venedig das Rheydter „Haus u r“ nach. 24 Räume in hundert Packstücken mit einem Gewicht von 150 Tonnen wurden per Schiff in die Lagunenstadt transportiert. Jahre später ließ er mitten im indischen Kalkutta dreißig Meter der Oberheydener Straße in Rheydt entstehen. Genialer Titel: „It’s all Rheydt“. Schneiders Spezialität sind Räume, und nicht selten kommen die Besucher anders heraus, als sie hereingegangen sind. Gleißendes Licht. Völlige Dunkelheit. Schallisolierung. All das wirkt bei Schneider in höchstem Maße verstörend. Der Künstler selbst begreift die Räume als begehbare Skulpturen, die den Galerie- oder Museumsraum vollständig verschwinden lassen.

Parallel zu dieser bildhauerischen Arbeit fotografiert und filmt der Mann aus Gladbach seine Räume auch. Zehn ausgewählte Filme sind derzeit bei Capri zu sehen. Ein Abfallprodukt, könnte man meinen. Aber auch die „Amateurvideos“, so der Titel der Ausstellung, tragen die Handschrift des Meisters. Wacklige Bilder, beizeiten ist der Schatten des Filmenden zu sehen. Schritte. Manchmal schweres Atmen. Hinter einem Bambusvorhang liegt eine kleine Küche, in der eine Frau, deren Gesicht man nicht sieht und die natürlich stumm bleibt, den Abwasch macht. Titel: „Die Familie Schneider“. Viel weniger lustig als die Popolskis, denkt man, und hat schon wieder dieses ungute Gregor-Schneider-Gefühl. Wo dessen Name draufsteht, muss man schließlich immer mit dem Schlimmsten rechnen.