Achim Hoops: Projektionsflächen

Die Zeichnungen von Achim Hoops sind eine Steilvorlage für die Fantasie. Wie so viele Kollegen nutzt der Künstler als Vorlage Bilder aus Zeitungen, Magazinen, Fernsehen und dem Internet. Allesamt zeigen sie Schauplätze, die eine gewisse Allgemeingültigkeit besitzen. Die Orte könnten direkt vor der eigenen Haustür liegen, aber auch in weiter Ferne. Sie könnten aus der Gegenwart stammen, aber auch Jahrzehnte alt sein. Und immer fehlen Menschen. Komplett. Das gibt den Zeichnungen, die der Künstler auf Holzplatten anfertigt, eine angenehme Ruhe.

Wer Kunstgenuss und Meditation kombinieren mag, dem sei der Gang ins Leverkusener Museum Morsbroich empfohlen. Das zeigt noch bis zum 22. Juni unter dem Titel „Basic Settings“ Werke aus dem Hoops’schen Oeuvre aus den vergangenen zehn Jahren.

Die vom Hamburger Hoops ausgewählten Orte funktionieren wie Projektionsflächen. Wie eine Bühne, die noch bespielt, mit Charakteren besetzt werden möchte. Da ist zum Beispiel dieser Ausschnitt eines Raums. Vier Stühle, ein Tisch. Darüber eine schlichte Lampe, die sich in einer Fensterscheibe spiegelt. Rötliches Licht. Könnte eine schicke Bar sein. Berlin vielleicht. Berlin-Neukölln. Für Besucher ist es noch zu früh, kurz vor zehn erst, in der Hauptstadt geht man erst nach Mitternacht aus. Früher war das Ganze übrigens mal ein Rotlicht-Etablissement und bis heute tanzen wochenends im angeschlossenen Nebenraum leicht-bekleidete Damen – nunmehr allerdings vor Hipstern mit Mütze und obligatorischer Retro-Brille.

Oder die Gruppe weißer, stapelbarer Plastikstühle, die in einem Innenhof stehen. Kommen einem die nicht aus dem letzten Urlaub in Europas Süden bekannt vor? Vorsaison-Tristesse. Bar und Restaurant des Hotels waren noch geschlossen. Und nachts wurde es ganz schön kalt, schließlich hatten die Zimmer keine Heizung. Es fröstelt einen beim Betrachten des Bilds. Und das ist nur ein Zeichen dafür, dass Achim Hoops einen guten Job gemacht hat.

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