Rundlauf bringt Leben in die Speckschweiz

Guy Dermosessian im Rundlauf-Bunker | Foto: Kühlem

Ortstermin in der Speckschweiz, dem Bochumer Viertel zwischen Dorstener, Herner und Feldsieper Straße. Ein Team um den Veranstalter Guy Dermosession organisiert hier den Rundlauf Bochum, ein Kunst- und Kulturfestival vom 30. April bis 5. Mai. Der Treffpunkt an diesem eisigen Märztag ist Haus Steden. Die Traditionsgastronomie im Viertel steht seit einiger Zeit leer. „Der Vermieter hat Ja gesagt!“, jubelt Guy Dermosessian. Endlich hat er einen Ort für die Eröffnungsparty, für Ausstellungen, Lesungen und Theater gefunden.

Konzept des Rundlaufs Bochum ist seit vergangenem Jahr, in einem vorher festgelegten Stadtteil mit den vorgefundenen Qualitäten und Problemen zu arbeiten, gemeinsam mit den Anwohnern neue Orte für Veranstaltungen zu entdecken und zu schaffen. Die Speckschweiz ist ein traditionell gewachsenes Wohngebiet mit vielen (in Bochum seltenen) Altbauten. Mehrere Legenden ranken sich um die Entstehung seines Namens – auch das wird Thema beim Rundlauf sein. Leider ist der Stadtteil, obwohl innenstadtnah und kulturell vielfältig, geprägt von vielen Leerständen in Geschäften und Gastronomien, und auf den Straßen, auf schönen Plätzen und Grünflächen findet kaum Leben statt. Bei einem Spaziergang durch die Straßen fallen vor allem die Leerstände gleich ins Auge.

Das Rundlauf-Team will wieder Leben in den Stadtteil bringen. Nicht nur zur Festivalzeit, sondern auch nachhaltig. Schon in der Vorbereitung wurden viele Anwohner und Kulturschaffende aus Bochum und Umgebung aktiv. Kurz nach dem Treffen am Haus Steden klingelt Guy Dermosessian an einer Haustür in der Nachbarschaft. Hier wohnt Frank Dobritzsch, der mit dem Verein Kultur vor Ort schon vor vielen Jahren Kultur in die Speckschweiz gebracht hat. Erst fühlt er sich ein wenig überfallen, aber dann ist er begeistert vom Engagement der jungen Kreativen. „Ich werde darüber nachdenken, wie ich zum Rundlauf beitragen kann“, versichert er nach einem ausführlichen Gespräch.

So wie Frank Dobritzsch versuchen die Organisatoren, vor Ort so viele Akteure wie möglich einzubinden. Größter Kraftakt war bisher die Räumung des Weltkriegsbunkers an der Zechenstraße. „Es ist der größte Hochbunker im Ruhrgebiet“, erklärt Guy Dermosessian stolz. Mit vielen Helfern hat er tonnenweise Schutt und Sperrmüll aus den riesigen Räumen geholt. Jahrzehnte blieb der Bunker ungenutzt. Der Besitzer schien nur auf die Aktiven gewartet zu haben und räumte ihnen im Gegenzug für die Aufräumarbeiten ein Nutzungsrecht ein. Das kommt auch ein paar Jungs aus der Nachbarschaft zugute, die ordentlich mit angepackt haben, weil sie im Bunker künftig Sport treiben wollen.

Eine lange Liste von Künstlern aus Bochum, der Region, aber auch international, wird am Rundlauf mitwirken. Mit im Boot ist unter anderem das Schauspielhaus Bochum, das für eine Aufführung wahrscheinlich seine Kontakte zur Herner Streetdance-Truppe Renegade spielen lassen wird. Regisseurin Katrin Lindner will mit Schauspieler Arne Nobel ein Stück über Marlene Dietrichs letzte Jahre im Bett ihrer Pariser Wohnung inszenieren – extra für den Bunker. Video- und Toninstallationen im öffentlichen Raum sind geplant. Ein Fotograf realisiert ein Projekt mit Anwohnern, die selbst mit der Kamera auf Entdeckungsreise gehen. Am 1. Mai sollen feine Konzerte in privaten Räumen und (halb-)öffentlichen Plätzen oder Hinterhöfen stattfinden. Ein junger Verein organisiert ein alternatives Straßenfest, und zum Abschluss am 5. Mai gibt es ein großes Soulpicknick auf den Schmechtingwiesen. Eins wird der Rundlauf also sicher nicht: langweilig. 

Mehr zum Rundlauf

30.4. - 4.5. versch. Orte, Bochum-Hamme

Ran an den Speck: Tipps zum Rundlauf

Die Idee des Bochumer Rundlaufs ist es, bisher leerstehende oder anders genutzte Räume mit Kultur zu bespielen und so neue Orte zu entdecken. Dazu stellen die Organisatoren jedes Jahr ein umfangreiches und vielfältiges Programm zusammen, lassen Konzerte in Hinterhöfen erklingen, führen Theaterstücke in Wohnzimmern auf und machen Keller oder einen ungenutzten Hochbunker zu Ausstellungsräumen. Um [mehr...]


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